Aktueller Spendenaufruf

Spendenkonten der Indienhilfe:

Für Armutsbekämpfung in Indien:

IBAN DE29 7025 0150 0430 3776 63

Für Bildungsarbeit in Deutschland:

IBAN DE87 7025 0150 0430 3704 11

Für Dialog und Partnerschaft:

IBAN DE24 7025 0150 0430 3688 29

Für Mitgliedsbeiträge und Vereinsarbeit:

IBAN DE53 7025 0150 0430 3826 63

bei der Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg
Swift-BIC   BYLADEM1KMS  


Hier unsere Projekte im Jahr 2018-19 (indisches Finanzjahr). Wenn Sie auf die entsprechenden Links klicken, erfahren Sie, in Artikeln unserer regelmäßigen Infobriefe, für was wir das Geld verwenden. Bitte lesen Sie auch uns übergreifendes Konzept zum Thema Kindeswohl.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Partner

Projekt

Gebiet

Betrag

Spenden-stichwort

DRCSC

Leuchtturmprojekt "Grüne Kommunen"

Sundarbans und Birbhum Distrikt

44.000 €

Ökolandbau/ Klimaanpassung

Lake Gardens

Leuchtturmprojekt     Kinderkrippen für Kinder arbeitender Mütter, Ausbildungsprogramm

Slums in Kalkutta

36.000 €

Krippenprojekt Kolkata

SKC

Leuchtturmprojekt Kinderarbeitsfreie Gebiete, zwei Brückenschulen (mit Hostel)

North 24 Parganas

40.000 €

Schule statt Arbeit

Adelphi

Trinkwasserprojekt in Chatra North 24 Parganas

33.000 €

Trinkwasser Chatra

DMSC*

Kindzentrierte Entwicklung für Volkstanzgruppen

Purulia

66.000 €

Kinderrechte Purulia
KJKS Kindzentrierte Entwicklung West Midnapur 49.000 € Kinderrechte W. Midnapur
Sanchar Gemeindenahe Rehabilitation behinderter Kinder Howrah 25.000 € CBR Howrah

 

VERS

Fortbildung von Nachhilfelehrern auf dem Land

Projektgebiete SKC und DMSC

 16.000 €

Bildung

Bitte achten Sie bei der Überweisung auf die vollständige und deutliche Angabe Ihrer Adresse.

Sie erhalten, sofern nicht anders gewünscht, automatisch zu Beginn des folgenden Jahres eine Sammelbestätigung über Ihre Spenden für das Finanzamt.
 

GESAMTSUMME 328.000 €

Alle Beträge beinhalten eine Pauschale von 15 % für:

  • Projektplanung
  • Monitoring/Impact Assessment/Wirtschaftsprüfer
  • Weiterentwicklung
  • Partnertraining und Fortbildungen (Capacity Building)
  • Vernetzung der Partner-NGOs
  • Aufbereitung von Informationen für Spender und Sponsoren

* Das Projekt mit DMSC im Purulia Distrikt wird ausschließlich von RED CHAIRity finanziert. Nähre Informationen erhalten Sie unter email@indienhilfe-herrsching.de

Seva Kendra Calcutta (SKC): Erfolgsmodell „Kinderarbeiterfreie Kommunen"


Fatema Khatun ist Kinderrechtsaktivistin im Gobindapur Gram Panchayat[1] im North-24-Parganas-Distrikt, seit 2018 Schwer­punktgebiet unseres Projekts „Kinderarbeiterfreie Kommunen“ mit ca. 300 Kinderarbeitern. Fatema ist für sechs Siedlungen mit 2.243 Familien zuständig. Bei ihren Hausbesuchen stellte sie fest, dass von 950 Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren 136 Kinder nicht regelmäßig zur Schule gehen und damit als Kinderarbeiter gelten[2]. Eines von ihnen ist der 13jährige Habibur, dessen Eltern als Wanderarbeiter monatelang mit ihren Kindern in einer Ziegelei arbeiteten. Durch das lange Fehlen konnte Habibur nach seiner Rückkehr dem Unterricht nicht mehr folgen; er begann, in einem Süßwarenladen zu arbeiten. Zu den Aufgaben der Kinderrechts­arbeiter gehört es, in den Dörfern darüber aufzuklären, dass Kinderarbeit illegal ist und jedes Kind das Recht auf Schulbesuch und auch die Pflicht dazu hat. Sie verfolgen jeden Fall von Kinderarbeit individuell und erarbeiten mit der Familie einen Plan zur Wiedereinschulung. So führte Fatema unzählige Gesprä­che mit Habiburs Eltern und dem Ladenbesitzer, bis sie endlich seiner Rückkehr an die Schule zustimmten. Weil es dem Jungen schwerfiel, sich wieder an das Schulleben zu gewöhnen, besuchte er zunächst unser Brückenschulen-Internat für Kinder­arbeiter[3], um den Unterrichtsstoff nachzuholen und Anschluss an seine Altersgenossen zu finden. Neben Aufklärungsarbeit über Kinderrechte und deren Veranke­rung in der Dorfgemeinschaft bietet Fatema – wie alle Kinder­rechtsarbeiter – an den Schulen in ihrem Zuständigkeitsbereich dreimal wöchentlich Nachhilfe-Unterricht an. Und sie kümmert sich darum, dass die staatlichen Mutter-und-Kind-Förderzentren (ICDS[4]-Zentren) für Kinder von 0 bis 6 Jahren ordnungsgemäß funktionieren. Angefangen haben wir das Projekt zur Schaffung flächendeckend kinderarbeiterfreier Kommunen 2009 im Tepul-Mirzapur GP und weiteten die erfolgreiche Arbeit auf die GPs Saguna und Gobindapur aus. Im letzten Jahr wurden im Tepul-Mirzapur GP nur noch 15 Fälle von Kinderarbeit registriert und das Bewusstsein für Kinder­rechte ist in der Dorfgemeinschaft mittlerweile so gestärkt, dass wir uns schritt­weise zurückziehen können. Dafür konzentrieren wir uns jetzt auf den Gobindapur GP, der nahe der Grenze zu Bangladesch liegt, wo Kinder als Hirten für den Schmuggel von Rinderherden ins Nachbarland missbraucht werden, und der mit seinen vielen Zie­gelbrennereien auch sonst ein hohes Risiko für Kinderarbeit birgt.


[1] Gram Panchayat (GP) = Gemeinde als kommunale Verwaltungseinheit

[2] Einer der Grundsätze des Projekts lautet: „Jedes Kind, das keine Schule besucht, ist ein Kinderarbeiter.“

[3] Die beiden Brückenschulen-Internate wurden dieses Jahr aufgelöst. Über die Jahre waren es zu wenige Kinder für diese Intensivbetreuung, um sie wirtschaftlich zu führen. Nun werden diese Kinder im heimischen Umfeld individuell betreut, z.B. durch Extra-Nachhilfestunden.

[4] Integrated Child Development Services, siehe Link zu Kurzanalyse des aktuellen ICDS-Budgets der indischen Regierung durch das Centre for Policy Research http://www.cprindia.org/research/reports/budget-brief-2018-19-integrated... sowie die Childline-Seite http://www.childlineindia.org.in/Integrated-Child-Development-Scheme-ICD...

Lake Gardens“: Förderung der Jüngsten für einen guten Start ins Leben

Aufgespannte Plastikplanen, direkt dahinter Bahngleise, überall Dreck, Unrat, Fäkalien – hier lebt der dreijährige Babui mit seiner Familie. Während der Vater meist zu betrunken ist, um zu arbei­ten, schuftet die Mutter für das Überleben der Familie. Babui bleibt währenddessen in der Obhut seiner wenig älteren Geschwister: hoffentlich laufen die Kinder nicht auf die Gleise! Die Mitarbeiterinnen des Lake Gardens Women & Children Development Centre werden auf diese unhaltbaren Zustände auf­merksam und nehmen Babui in die Kolibri-Kinderkrippe auf. So können die beiden Großen wieder zur Schule gehen und Babuis Mutter arbeitet für monatlich ca. 90 Euro in fünf Haushalten als Zugehfrau. Bei den Mütter-Treffen hat sie gelernt, besser auf Körperpflege, Gesundheit und Ernährung ihrer Kinder zu achten. Derzeit besuchen 90 Kinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren aus den umliegenden Slums die drei Krippen von Lake Gardens[1], in denen sie täglich nach Montessori-Methoden gefördert und mit einer nahrhaften Mahlzeit versorgt werden. Die Älteren nehmen am Vorschulunterricht teil, der sie auf die Einschulung in die staatliche Grundschule vorbereitet. Zur Verbesserung des häus­lichen Umfelds finden regelmäßig Mütter-Treffen statt, in denen Körperpflege und Hygiene, gesunde Ernährung, frühkindliche Entwicklung, Schritte zur Einschulung etc. besprochen werden. Weitere Schwerpunkte sind wichtige Gesetze, staatliche Förder­programme und die Themen Kinderschutz und häusliche Gewalt, bei denen eng mit der lokalen Polizeistation zusammengearbeitet wird: Die Polizisten erklärten den Müttern, an wen sie sich wen­den können und sicherten ihre Unterstützung zu. Momentan gibt es kein unterernährtes Kind in den Krippen, doch das Thema bleibt wichtig: In Workshops lernen die Mütter, gute preis­günstige Mahlzeiten zuzubereiten, und bei den Vorsorgeunter­suchungen werden regelmäßig Gewicht und Größe der Kinder dokumentiert, um bei ersten Anzeichen von Mangelernährung gegensteuern zu können


[1] Auf Grund von Spendenrückgängen 2017 mussten wir 2018 die Finanzierung einer vierten Krippe einstellen.

VERS - unser Partner für die Qualifikation dörflicher Nachhilfelehrer

„Erstklassige Bildung für alle Kinder, ob arm oder reich!“ Unter diesem Motto setzt sich die Vikramshila Education Resource Society (VERS) seit 1989 für qualitative Verbesserung der Schul­bildung in Indien ein. Der indische Staat ist zwar dafür zuständig, ausreichend Schulen und Lehrkräfte zu stellen, doch oft sind die Schulen in den abgelegenen Armutsgebieten schlecht ausgestattet und die Lehrkräfte unzureichend ausgebildet. Für die Kinder, meist die ersten Schulgänger in ihrer Familie, hat dies fatale Folgen: da ihre Eltern ihnen nicht bei den Hausaufgaben helfen können und die Atmosphäre in den Schulen nicht immer kinder­freundlich ist, vor allem gegenüber Adivasi- und Dalit-Kindern, verlieren diese „First Generation Learners“ häufig die Freude am Schulbesuch und drohen, in Kinderarbeit abzurutschen. Für VERS sind die Lehrkräfte der Schlüssel zu positiven Verän­derungen an den Schulen und so haben wir gemeinsam ein Fort­bildungsprogramm für die Nachhilfelehrer in unseren Projekten mit SKC und DMSC ausgearbeitet, wo die Situation besonders schlecht ist. In Workshops lernen sie von VERS, Lehr- und Lern­material selbst herzustellen, Unterrichtsräume kindgerecht zu gestalten und Unterrichtsmethoden für „First Generation Learners“ anzuwenden, um Spaß am Lernen zu vermitteln. Auch die Betreuung von Schülergruppen mit unterschiedlichem Wissensstand wird gelehrt. Außerdem wird das Wissen der Nach­hilfelehrer in den Unterrichtsfächern vertieft, nach Tests, die genau zeigen, wo sie Wissenslücken haben. Und sie lernen, die Wissenslücken ihrer Schüler zu ermitteln, um gezielter mit ihnen zu arbeiten. Bei Vor-Ort-Besuchen demonstrieren die VERS-Mitarbeiter die praktische Anwendung der neuen Methoden und Unterrichtsmaterialien und nutzen die Gelegenheit, die staat­lichen Schulleiter für Verbesserungen an ihren Schulen zu moti­vieren. In Testarbeiten stellen sie den Wissensstand der Nachhil­feschüler gegenüber dem Lehrplan in den einzelnen Fächern fest – gleichzeitig eine Kontrolle des Erfolgs ihrer Fortbildungen für die Nachhilfelehrer. Für die Krippen-Erzieherinnen von DMSC organisiert VERS Fortbildungen zu frühkindlicher Entwicklung. Kleine Schritte hin zu mehr Chancengleichheit.

Adivasi-Kinder im Mittelpunkt – in West Midnapur bei KJKS

Kartoffeln, Kartoffeln, Kartoffeln – jeden Tag gab es das gleiche Kartoffel-Curry im Rahmen des staatlich geförderten Mittag­essens für die Grundschulkinder im Dorf Fulboni. Eingeführt wurde das staatliche Mittagessen eigentlich, um die Ernährungs­situation der Kinder zu verbessern, doch viele Kinder verweiger­ten nach kurzer Zeit das eintönige Essen. Hinduram Hembrom, der dörfliche Entwicklungsarbeiter, erkannte das Problem und schlug den Schulbehörden die Anlage eines Küchengartens auf dem Schulgelände vor. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern war schnell ein kleiner Gemüsegarten angelegt, dessen Ernte seither für das Schulessen verwendet wird. „Nun bekommen die Kinder ein abwechslungsreiches Mittagessen, und von dem gesparten Geld können wir den Kindern gelegentlich Fleisch, Fisch oder ein Ei vorsetzen.“ freut sich Schulleiterin Suparna Giri. Gleich­zeitig werden die Kinder in die Gartenarbeiten einbezogen und können mit diesem Wissen auch zu Hause einen eigenen Küchen­garten anlegen.[1] Die Verbesserung der Ernährungssituation ist nur eine Kompo­nente des ganzheitlichen kinderzentrierten Dorfentwicklungs­projekts im West Midnapur Distrikt, das wir seit 2016 mit unse­rem neuen Partner Kajla Jana Kalyan Samity (KJKS) weiter­füh­ren. In 23 Adivasi-Dörfern, in denen vor allem Santhals und die besonders benachteiligten Lodhas leben, setzen sich die dörf­lichen Entwicklungsarbeiter für das Wohl der Kinder von 0 bis 18 Jahren ein und haben dabei Bildung, Gesundheit, Ernährung, Rechte und Würde, d.h. Maßnahmen zur Armutsbekämpfung, im Blick. Die 2.700 schulpflichtigen Kinder bekommen in den Nachhilfezentren Unterstützung bei den Hausaufgaben. Durch den engen Kontakt der Entwicklungsarbeiter zu den Lehrkräften werden schulische Probleme schnell erkannt und Schulschwänzer zum weiteren Schulbesuch motiviert. Für die Kleinsten von 0 bis 6 Jahren hat die indische Regierung sogenannte ICDS-Zentren eingerichtet, in denen neben der Vorschulförderung die Ernährungssituation der Kinder im Mittelpunkt steht. Letztes Jahr hat KJKS an den ersten sechs Standorten die ICDS-Zentren zu Modell-Zentren ausgebaut, in denen ein kleinkinderfreundliches Umfeld (z.B. durch farbige Bilder und Schautafeln an den Wänden, saubere Böden etc.) herrscht und wo die Kinder das staatliche Mittagessen vor Ort zu sich nehmen.[2] Schwangere werden dort bezüglich ihrer Ernäh­rung während Schwangerschaft und Stillzeit, sowie der Vorteile einer medizinisch begleiteten und staatlich finanzierten Klinik­geburt beraten. Wichtiges Anliegen all unserer Projektpartner ist es, die Dorf­bewohner bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen und die staatlichen Programme zur Armutsbe­kämpfung zur Anwendung zu bringen: Dadurch wird jeder über­wiesene Euro multipliziert!


[1] Bisher konnten wir die Schulgärten an sechs Modell-Schulen finanzieren; die Anfangskosten pro Schulgarten betragen ca. 40 Euro für Setzlinge, Samen, Zäune etc.

[2] „Spot-Feeding“ ist wichtig, damit wirklich die Kinder das Essen bekommen und es nicht mit nach Hause nehmen, wo es die gesamte Familie teilt oder es ungekühlt verdirbt.

Sanchar: Perspektiven für behinderte Kinder durch ambulante Förderung

„Sie sitzt!“ Die Eltern der vierjährigen Ishrat aus dem Dorf Sepaipara können es kaum fassen, dass ihre an den Folgen einer Kinderlähmung leidende Tochter aufrecht sitzen kann. Zu verdanken ist dies den Mitarbeitern unseres Partners Sanchar, die sich die gemeindenahe Inklusion von Menschen mit Behinderung zum Ziel gesetzt haben. Ishrats Großvater hatte bei einer Dorf­versammlung von Sanchars Aktivitäten erfahren. Nachdem sich das Team bei Hausbesuchen einen Eindruck von Ishrats Entwick­lungsstand verschafft hatte, erstellte es mit den Eltern einen Plan zur individuellen Förderung mit Physiotherapie und Einüben von Alltagstätigkeiten. Gleichzeitig besorgten die Mitarbeiter für Ishrat staatlich finanzierte Orthesen[1]. Inzwischen bewältigt Ishrat ihren Alltag zunehmend selbstständig und alle Familien­mitglieder wissen, was sie selbst kann und wie sie sie gegebenen­falls unterstützen können, ohne ihr die neugewonnene Eigen­ständigkeit zu nehmen. Insgesamt kümmert sich Sanchar in fünf Kommunen des Panchla Blocks im Howrah-Distrikt um 208 Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Jedes Kind hat einen individuellen Förderplan, nach dem die Mitarbeiter bei ihren wöchentlichen Hausbesuchen vorgehen, um die Kinder in der vertrauten Umge­bung für Selbstständigkeit fit zu machen. Dabei wird die Familie einbezogen und lernt, wie sie ihr Kind bestmöglich unterstützen kann. Durch Vorschulübungen und in enger Zusammenarbeit mit den Lehrkräften werden die Kinder mit Behinderung auf die Einschulung in die staatlichen Schulen vorbereitet und beim Schulbesuch begleitet. Für die Eltern finden regelmäßig Treffen statt, bei denen sie z.B. über den Zugang zu staatlichen Hilfs­programmen informiert werden, den Umgang mit Hilfsmitteln oder die Grundlagen der indischen Gebärdensprache lernen. Besonders wertvoll war für die betroffenen Eltern der Besuch eines anderen Dorfes, in dem Sanchar schon länger tätig ist. Dort lernten sie Eltern mit ähnlichen Problemen kennen und erfuhren, wie sich deren Situation durch die Unterstützung von Sanchar verbessert hat. Auch Ishrats Großvater nahm an solch einer Fahrt teil. Sein Fazit: „Nun habe ich neue Hoffnung für meine Enkel­tochter!“


[1] Orthese - Hilfsmittel, das zur Stabilisierung, Entlastung, Ruhigstellung, Führung oder Korrektur von Gliedmaßen oder des Rumpfes eingesetzt wird

DRCSC fördert nachhaltige Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels

Der Kalitala GP liegt in den Sunderbans, dem Mangrovengebiet im Gangesdelta, wo alljährlich Zyklone und Überschwem­mun­gen zu einer Versalzung der Böden führen. Der Purandarpur GP im Birbhum Distrikt hingegen ist ein Trockengebiet, dessen rote Lateritböden eine geringe Wasserspeicherfähigkeit haben, so dass selbst heftiger Monsunregen schnell abfließt und versickert. Der Chatra GP, Herrschings Partnerkommune, liegt im frucht­baren Gangesdelta mit hohem Grundwasserspiegel, der mindes­tens zwei Ernten im Jahr ermöglicht. Trotz unterschiedlicher Umwelt- und Sozialbedingungen wird die landwirtschaftliche Arbeit vielerorts von landlosen Angehörigen der untersten Kasten und Adivasi sowie Kleinbauern ausgeführt. In der Folge migriert die Jugend oft in die Städte, wo sie als Tagelöhner ihr Dasein fristen und ihre Kinder ohne Schulbildung unter katastrophalen Bedingungen aufwachsen. Seit 2010 arbeiten wir mit DRCSC[1] zusammen, um durch ange­passte Landbaumethoden den Landarbeiter- und Kleinbauern­familien auch in Zeiten des Klimawandels Lebensperspektiven an ihrem Wohnort zu ermöglichen. Küchen- und Schulgärten verbessern die Nahrungssicherheit, Aufklärungskampagnen schärfen das Bewusstsein für Umweltschutz. Trainings für verbesserte Nutzung der jeweils vorhandenen natürlichen Ressourcen schaffen ein höheres Familieneinkommen. Ergänzt werden die Aktivitäten durch enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen bei der Bildung von Schüler-Öko-Clubs, die z.B. Schulküchengärten anlegen und örtliche Pflanzen- und Tierarten und deren Nutzen für den Menschen bestimmen, sowie die Anleitung von Frauen-Selbsthilfegruppen und Bauern­gruppen zur Nutzung staatlicher Förderprogramme, z.B. für Kleintierhaltung, Biogasanlagen, Saatgutbanken. In den Sunderbans können wir nach acht Jahren die Unter­stützung schrittweise abschließen. Schwerpunkt ist neben Purandarpur in diesem Jahr Chatra, wo DRCSC seit April 2017 mit 130 Familien im Ghoshpur Adivasi Para arbeitet, um das kommunale Trinkwasser-Projekt Chatra durch soziale, Einkom­men steigernde und Wasser­schutz-Maßnahmen sowie durch die Einbeziehung der örtlichen Oberschulen zu ergänzen.


[1] Development Research Communication and Services Centre, ausführliche Projektbeschreibungen auf unserer Website unter http://www.indienhilfe-herrsching.de/node/59

DMSC eröffnet zweites Sozialzentrum für Nachnis und Jhumurs

Ein Jahr und neun Monate sind seit der Eröffnung des Sozial­zentrums für Nachnis und Jhumurs[1] im Dorf Senabona im Purulia-Distrikt vergangen. Mittlerweile hat es sich zu einem lebendigen Ort entwickelt, an dem vormittags eine Kinderkrippe und nachmittags Nachhilfeunterricht für Schulkinder bis zur achten Klasse angeboten werden, mit warmer Mahlzeit. Regel­mäßig kommt ein Arzt und kontrolliert Entwicklungs- und Ernäh­rungszustand. Abends dient das Zentrum als Treffpunkt für die Mütter, wo sie frei ihre Probleme mit Diskriminierung, sexueller Ausbeutung und sozialer Ächtung vorbringen können. Mitarbei­terinnen unseres Partners Durbar Mahila Samanwaya Committee (DMSC) informieren dort über staatliche Programme zur Armutsbekämpfung, teils speziell für Nachnis, und helfen bei der Antragstellung. Gleichzeitig fördern sie durch Aufklärung die soziale Integration der Nachnis und Jhumurs, die bislang meist am Rand des Dorfes in Lehmhütten, ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und Toiletten, wie Unberührbare leben. Spar- und Kreditgruppen (Self Help Groups) wurden gebildet und einige profitierten von einem staatlichen Programm für den Bau kleiner Ziegelhäuser. DMSC organisiert Fortbildungen in den Tanz- und Unterhaltungskünsten, um höhere Qualität, mehr Anerkennung und bessere Einnahmen zu erreichen. Nach dem erfolgreichen Start in Senabona baten Volkstänzerinnen aus benachbarten Regionen DMSC, auch dort ein Zentrum zu eröffnen. Dank RED CHAIRity, der weltweit tätigen Hilfsorganisation der XXXLutz-Möbelhäuser, die die komplette Finanzierung des Projekts für drei Jahre bewilligt hat, konnte im Oktober 2017 ein zweites Zentrum im Dorf Kotshila eröffnet werden. Insgesamt werden nun knapp 200 Kinder und ihre Familien in den beiden Anlauf­stellen betreut, um ihnen einen Weg aus der Armut zu ermög­li­chen und ihr Selbstbewusstsein als traditionelle Volkstänze­rinnen zu stärken.


[1] sozial stigmatisierte traditionelle Dorftänzerinnen und -unterhalterinnen, siehe Sommerinfo 2016 und Herbstinfo 2016 unter http://www.indienhilfe-herrsching.de/node/16

Das kommunale Trinkwasser-Projekt in Herrschings Partnergemeinde Chatra

Am 8. Juni 2018 ist es wieder soweit: die Schüler und Schüle­rinnen der Christian Morgenstern Grund- und Mittel­schule Herrsching werden zu Gunsten des Trinkwasser-Projekts in Chatra laufen. Am Ende des Spendenlaufs werden sich die durstigen Kinder dankbar auf Wasser stürzen, das bei uns wie selbstverständlich in bester Qualität aus der Leitung fließt. Für die Kinder im Ghoshpur Adivasi Para in Chatra hingegen bedeu­tet das Wasser ein ständiges Gesund­heitsrisiko. Nur 15 der 81 Brunnen liefern sauberes Trink­wasser, und so konsumieren etwa 540 der 700 dort lebenden Menschen mit Arsenik, Eisen und Fäkalbakterien verun­reinigtes Trinkwasser, mit entsprechenden Folgen für die Gesundheit. Gemeinsam mit der Gemeinde Herrsching und der adelphi research gGmbH[1] hat die Indienhilfe 2016 das Trinkwasser-Projekt in Chatra begonnen, um für besonders arme Adivasi-Familien in Chatras Ortsteil Ghoshpur eine nachhaltige Ver­sor­gung mit sauberem Trinkwasser zu schaffen. Nach den Vorar­beiten des adelphi-Teams unter Leitung von Ronjon Chakrabarti in den vergangenen Jahren, wie Studien zur Situation vor Ort mit Erarbeitung eines Projektkonzepts, die Gründung eines Wasser-Komitees zur Einbeziehung der Dorfbewohner und eine Mach­barkeitsstudie für drei ver­schiedene technische Lösungen, erwies sich der Bau einer Mehrstufigen Filtrationsanlage (MSF), bei der ganzjährig vorhandenes Oberflächenwasser (Teich, Fluss) als Rohwasser-Quelle genutzt und mit naturnahen Prozessen aufbe­reitet wird, als nachhaltigste Lösung, vor allem unter ökolo­gischen und partizipatorischen Gesichtspunkten. Die Wartung ist kostengünstig und lokal durchführbar. Im Rahmen der Regionalkonferenz „Kommunale Partner­schaften mit Asien“ im Juni 2017 hatte die Indienhilfe, vertreten durch Projektkoordinatorin Marion Schmid, die Möglichkeit, den Bürgermeister von Herrschings Partner­gemeinde Chatra, Herrn Thakurdas Mallick, zusammen mit S.V. Raman (freier Mitar­beiter der Indienhilfe in Kolkata, 35 Jahre lang Programm­direktor des dortigen Goethe-Instituts; er fungierte als Übersetzer und ist auch ein wichtiger Träger der Partnerschaft mit Chatra) nach Deutschland einzu­laden. Bei der Konferenz in Bonn waren rund 90 Vertreter aus Kommunalverwaltung und Zivilgesellschaft anwesend, die der Einladung der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global[2] folgten. Neben vielen Städte­partnern aus Deutschland nahmen dreißig Partner aus sieben asiatischen Ländern, darunter Indien, teil. Auch Herrschings Bürgermeister Christian Schiller und Franziska Kalz, bei der Gemeinde für Umwelt und Agenda 21 zuständig, waren einen Tag lang zur Konferenz gefahren. Der Fokus des Treffens lag auf der Frage, wie Partnerschaften unter den globa­len Herausforderungen lebendig und nachhaltig gestal­tet werden können. Ein Empfang im Rathaus der Stadt Bonn und eine Rhein­fahrt boten neben zahlreichen Workshops und Dialog­foren viel Gelegenheit zu Begegnung und lebhaftem Austausch, aber es wurde auch über konkrete Förder­möglichkeiten für Partner­schaftsprojekte aus BMZ-Mitteln informiert. Ein kurzer Aufenthalt von Herrn Mallick und Herrn Raman in Herrsching  schloss sich an: Arbeitsgespräche bei der Indienhilfe, Begleitung von Bürgermeister Christian Schiller während eines Arbeitstages, Besuche bei der Energiege­nossenschaft Fünfseen­land und der Ammersee Wasser und Abwasser gkU, eine Fahrt nach Augsburg zum Fairtrade-Town-Vernetzungstreffen und zu den Bayerischen Eine-Welt-Tagen, sowie der Besuch von Partnerschulen in Herrsching und Gilching, der Teilnahme an einer Gemeinde­ratssitzung und viele weitere Programmpunkte standen auf der Agenda. Ein Highlight war die feierliche Eröff­nung der Ausstellung über die Geschichte der Partnerschaft zwischen Chatra und Herrsching im Saal der Indienhilfe mit Ehrengast Dr. Ute Eiling-Hütig, MdL. Im Nachgang zu dieser Konferenz beantragte die Gemeinde Herrsching erstmalig Fördergelder des BMZ für den konkre­ten Bau der Wasseraufbereitungsanlage im Rahmen des Programms NAKOPA – Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partner­schaftsprojekte – bei Engagement Global. Während des Baus der Anlage läuft die Zusammenarbeit der Indienhilfe mit adelphi weiter. Für den hoffentlich im Lauf des Jahres 2018 bewilligten Bau sind viele Vorbereitungen zu treffen, wie die Erstellung der Unterlagen für das öffent­liche Ausschrei­bungsverfahren, mit dem vor Ort ein lokales Bauunter­nehmen gesucht werden wird, Klärung der Besitz­verhältnisse für den Teich, akzeptanzfördernde Aktivitäten wie Gesundheits- und Informationskampagnen, Vorbereitung von Wasserschutzmaß­nahmen mit den Bauern im Einzugs­gebiet. Das lokale Wasser-Komitee wird gestärkt und bei der Beantragung staatlicher Programme unterstützt. Damit die Anlage nach Fertigstellung und einjähriger Übergangsphase selbstständig von Chatras Gemeindeverwaltung und dem Wasser-Komitee betrieben wer­den kann, ist eine partizipative Vorgehensweise unabdingbar, bei der die lokale Bevölkerung auf allen Ebenen in die einzelnen Projektschritte einbezogen ist. Die Anlage in Ghoshpur soll ein Modell werden, das in anderen Ortsteilen und in anderen Kommunen repliziert werden kann.


[1] Die adelphi research gGmbH Berlin ist eine gemeinnützige im technischen und Umweltbereich international tätige Non-Profit-Organisation, die über das technische Know-How zur Durchführung des Projekts verfügt.

[2] vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte Servicestelle