Projekte 2026-27
Für 2026-27 (das indische Finanzjahr läuft vom 1.4. bis 31.3.) hat die Indienhilfe 5 Projekte bei 3 Partnerorganisationen bewilligt, ein weiteres Projekt mit einer neuen Partnerorganisation ist in Planung:
Wenn Sie auf den Projekt-Namen klicken, erhalten Sie weitere Infos zum jeweiligen Projekt. Bitte lesen Sie auch uns übergreifendes Konzept zum Thema Kindeswohl.
| Partner | Projekt | Gebiet | Betrag | Spenden-Stichwort |
|---|---|---|---|---|
| KTfHD | Nachhaltige Dorfentwicklung in Chatra
| Chatra Gram Panchayat, N-24-Parganas | 51.400 € | Chatra |
| KTfHD | Unterstützung von Kindern aus Wanderarbeiter-Familien anteilige Finanzierung durch Schöck-Familien-Stiftung gGmbH in Höhe von 90 % | Nayabastiya Gram Panchayat, Baduria Block & Gacha Akharpur Gram Panchayat, Basirhat-1 Block | Gesamt: 59.500 € IH-Anteil: 12.000 € | Wanderarbeiter |
| KTfHD | Förderung frühkindlicher Entwicklung Teilfinanzierung durch Dr. Birk Foundation | Nayabastiya Gram Panchayat, Baduria Block & Gacha Akharpur Gram Panchayat, Basirhat-1 Block | Gesamt: 26.700 € IH-Anteil: 16.700 € | frühkindliche Entwicklung |
| Sanchar | Gemeindenahe Rehabilitation behinderter Kinder Teilfinanzierung der Arbeit (Sehbehinderungen/Blindheit) durch Deutsches Kathollisches Blindenwerk e.V. | Panchla Block, Howrah Distrikt | Gesamt: 39.900 € IH-Anteil: 27.900 € | Menschen mit Behinderungen |
| Youthinvest Foundation | Förderung von Kindern Indigener Volksgruppen und ihrer Familien | Jhargram / West Midnapur Distrikt | 27.300 € | Bildung Jhargram |
GESAMTSUMME 204.800 €,
abzüglich der zugesagten Förderungen in Höhe von 69.500 Euor bleibt ein Anteil von 135.300 €, für den wir auf Ihre Spenden angewiesen sind!
Alle Beträge beinhalten eine Pauschale von 15 % für:
- Projektplanung
- Monitoring/Impact Assessment/Wirtschaftsprüfer
- Weiterentwicklung
- Partnertraining und Fortbildungen (Capacity Building)
- Vernetzung der Partner-NGOs
Aktuelle Berichte und Kurzbeschreibungen der Projekte:
„Jedes Jahr steht das Wasser höher und vernichtet mehr Ernte und Boden!“
Bauern in Chatra überdenken ihre Anbaumethoden, um dem Klimawandel standzuhalten.
(Corinna Wallrapp, Infobrief 2026)
(Februar 2026) © IH
"Von Jahr zu Jahr wird der Anbau schwieriger: Auf Wetter und Ernteerträge ist kein Verlass. Immer extremere, immer länger anhaltende Hochwasser machen uns das Leben schwer!“ klagen Bauern und Bäuerinnen der am Fluss lebenden ärmeren Bevölkerung Chatras den MitarbeiterInnen unseres Projektpartners Kolkata Trust for Human Development (KTfHD). Im Rahmen unseres Trinkwasserprojekts1 sind diese regelmäßig vor Ort und stehen in engem Austausch mit den Dorfbewohnern. Die letzten drei Jahre waren besonders schlimm für die Kleinbauern, die ihre Felder in den niedrigeren Gebieten von Chatra, entlang der Flüsse Padma und Jamuna, haben. Häuser, Felder, Brunnen und Teiche standen in den Ortsteilen Rasui, Salua (wo sich die Trinkwasseranlage befindet) und Ghoshpur im letzten Jahr von August bis Ende November tief unter Wasser – 1-2 Monate länger als „normal“. Die Folgen des Klimawandels, wie der ansteigende Meeresspiegel im Golf von Bengalen und heftigere, länger anhaltende Monsunregen, aber auch für Fischzucht errichtete illegale lokale Stauungen im Flusssystem unterhalb behindern das Abfließen des Flusswassers. Mit fatalen Folgen für die Gebiete entlang der Flüsse, besiedelt vor allem von ärmeren Menschen. Nach der Überflutung bleiben die Böden zu feucht und salzhaltig für den Anbau traditioneller Nutzpflanzen. Die hohen Ernteverluste der letzten Jahre haben bei vielen Landwirten die ohnehin schon geringen Reserven komplett aufgebraucht. Die Verzweiflung ist groß, denn die veränderten Umweltbedingungen lassen sich nicht mehr umkehren. Neue Wege zur Sicherung der Ernte sind notwendig.
Hier setzt unser im April 2026 begonnenes Projekt mit dem KTfHD an: Gemeinsam mit den am stärksten betroffenen Bauern sollen klimaangepasste, ökologisch nachhaltige landwirtschaftliche Strukturen aufgebaut werden, um Ackerbau und Tierhaltung widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen. Das zunächst dreijährige Vorhaben baut auf der langjährigen Städtepartnerschaft (seit Nov. 1996) zwischen Herrsching am Ammersee und Chatra auf: die durch das Trinkwasserprojekt in den letzten zehn Jahren gesammelten Kontakte und Erfahrungen bilden eine solide Ausgangsbasis für die Aktivitäten. Im Mittelpunkt stehen 15 kleinbäuerliche Familien aus drei Ortsteilen, deren Lebensunterhalt überwiegend von der Landwirtschaft abhängt. Mit allen wurde gemeinsam ihr Land mit Stärken und Schwächen skizziert und ausgewertet. Dieses individuelle „Resource-Mapping“ ist entscheidend, um den Bauern vorhandene Ressourcen bewusst zu machen und Wertschätzung für diese zu entwickeln. Schulungen und praktische Unterstützung bei der Anwendung klimaangepasster Anbaumethoden, die für ihre jeweiligen Flächen und ihre Bewirtschaftung geeignet sind, begleiten den Start. Dazu gehören vielfältige integrative Anbausysteme mit verschiedenen Nutzpflanzen, auch in Kombination mit passender Kleintierhaltung, Fischzucht etc. zur Diversifizierung, der Umstieg auf widerstandsfähigere alte Kulturpflanzen, Einsatz biologischer Düngemittel wie Kompost statt umweltschädlicher teurer chemischer Produkte. Gleiches gilt für den Pflanzenschutz. Demonstrationsflächen ermöglichen, neue Methoden direkt in der Praxis zu erproben und die Erfahrungen mit anderen Familien zu teilen. Gleichzeitig werden bessere Marktanbindungen geschaffen, damit landwirtschaftliche Produkte zu fairen Preisen verkauft werden können.
Das neue „Landwirtschaftsprojekt“ hat sich aus Erfahrungen beim „Trinkwasserprojekt“ entwickelt: Die schlechte Qualität des Flusswassers und damit des Vorteiches wegen des hohen Pestizid- und Düngemitteleintrags aus der Landwirtschaft führt dazu, dass die Trinkwasseranlage mehr filtern muss und dadurch einen höheren Verbrauch an Filtermaterial hat. Das soll sich ändern! Dennoch: trotz der hohen Belastung funktioniert die Anlage seit 2023 einwandfrei und produziert täglich 12.000 Liter sauberen Trinkwassers. Wartung und tägliche Wasserqualitätskontrolle führen entsprechend ausgebildete aktive DorfbewohnerInnen durch. Für die Verteilung des Trinkwassers auch in anderen Ortsteilen Chatras ist ein „water van“, ein elektrisches Dreirad für den Transport von 20-Liter-Wasserkanistern, im Einsatz. Aktuell profitieren rund 200 Haushalte sowie mehrere Schulen und Institutionen in ganz Chatra von einer sicheren Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Ein zweites größeres Vehikel muss angeschafft werden, um auch bedürftige Familien in entfernteren Ecken des 30.000-Einwohner-Dorfes zu erreichen.
Dritter Schwerpunkt in Chatra ist weiterhin die informelle Bildung: in drei Nachhilfezentren bekommen 90 Kinder und Jugendliche Nachhilfeunterricht und Unterstützung bei den Hausaufgaben. Daneben wird in speziellen Veranstaltungen Wissen z.B. über Klimaschutz, gesunde Ernährung, den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen vermittelt.
Die Aktivitäten in Chatra zeigen eindrucksvoll, wie langfristige kommunale Partnerschaften in Zusammenarbeit mit NGOs konkrete Veränderungen bewirken können. Ausgehend von der 2012 bei einem Treffen des Herrschinger Bürgermeisters mit Indienhilfe-Mitarbeiterin Sibani Chakraborty entwickelten Idee, etwas für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser in Chatra zu tun, hat sich mittlerweile ein umfassendes Projekt mit den Komponenten Klimaanpassung, nachhaltige Landwirtschaft, Trinkwasserschutz und Bildung entwickelt – mit Vorbildcharakter weit über die Projektregion hinaus – unterstützt und finanziert durch die Solidarität von Herrschings BürgerInnen, durch viele Solidaritätsaktionen (Spendenläufe, Flohmärkte, Essensverkauf) von Schulen in Herrsching, Inning und Gilching, aber auch durch großzügige Förderungen von SpenderInnen aus ganz Deutschland. Vielen Dank!
Spendenstichwort: Chatra
Projektbudget (inkl. Projektbegleitung) 2026-27: 54.100 Euro
Überwältigender Andrang wissbegieriger Kinder in den „Lernzentren“ unseres neuen Projektes
im grenznahen Ziegelei-Gebiet, District North-24-Parganas, Westbengalen
(Sabine Jeschke, Infobrief 2026)
Dass die Lebensumstände der Menschen, insbesondere der Kinder, in den Gemeinden (Gram Panchayats) Gacha Akharpur und Nayabastiya im North-24-Parganas Distrikt Westbengalens prekär sind und es dort dringend der Unterstützung bei Schulbesuch- und Gesundheitsversorgung bedarf, war dem Team unseres Projektpartners Kolkata Trust for Human Development (KTfHD) nach den ersten Besuchen in den Dörfern im Juni 2025 schnell klar. Doch das riesige Interesse der Dorfbewohner an den geplanten Projektaktivitäten zum Wohl der Kinder überraschte sie dann doch: Geplant war die gezielte Lernförderung ursprünglich für 350 Kinder, doch innerhalb der ersten Wochen war diese Zahl bei weitem überschritten, die Kapazitäten mussten angepasst werden. Seit Oktober 2025 besuchen etwa 500 Kinder sieben Bildungszentren, in denen sie in ihrer altersgerechten Entwicklung gefördert werden und Wissensrückstände in Bengali, Englisch und Mathematik aufholen. Mit 80 % ist die durchschnittliche Anwesenheitsquote der Kinder nach sechs Monaten außerordentlich hoch.
Die meisten Familien, die hier im Grenzgebiet zu Bangladesch leben, verdienen ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner in einer der vielen Ziegeleien. Dort wird nach Stückzahl gefertigter Ziegel bezahlt, und so zählt für die Familien jede Arbeitskraft. Auch die Kinder werden zu harter körperlicher Arbeit herangezogen, der Schulbesuch ist nachrangig. Doch die Arbeit in den Ziegeleien hängt stark von den saisonalen Wetterbedingungen ab: Während der trockenen Jahreszeit im Winter laufen die Betriebe auf Hochtouren, während des Monsuns sind die Ziegeleien geschlossen. Andere Einnahmequellen sind in der Region sehr begrenzt. Vor allem Männer und ältere Jugendliche ziehen auf der Suche nach Arbeit in andere Regionen. Die Mütter mit ihren Kindern bleiben in den Dörfern, die meisten ohne eigenes Einkommen. Nur wenige verdienen ihren Lebensunterhalt während der Regenzeit z.B. mit der Herstellung der beliebten indischen bidis (Zigaretten) oder mit dem Besticken von Textilien – beides minimal bezahlte Tätigkeiten. Der finanzielle Druck auf die Familien wächst und treibt sie zur temporären Flucht aus den Dörfern. Diese saisonale Migration macht den regelmäßigen Schulbesuch schwierig, die Kinder verpassen viel Unterrichtsstoff und können bei Rückkehr dem Unterricht nicht mehr folgen. Zugleich kommen während der Trockenzeit, wenn Hochbetrieb in den Ziegeleien ist, viele Familien aus anderen Gegenden hinzu, um in den Ziegeleien mitzuarbeiten, deren Kinder ebenfalls besondere Unterstützung benötigen. Diese sich stets wandelnden Lebensumstände der Familien in den Dörfern erfordern Flexibilität beim Projektteam, die Aktivitäten immer wieder anzupassen. So richtete KTfHD in diesem Jahr während der Hochphase der Ziegelproduktion einen temporären Lernraum für 46 neu hinzugekommene Kinder ein, um ihnen zumindest ein paar Stunden am Tag Förderung anbieten zu können.
Ein wichtiger Aspekt bei der Planung aller Lernzentren sind kurze und sichere Wege für die Kinder, damit sie problemlos allein dorthin gelangen können. Durch die Einrichtung zweier Modell-Büchereien in lokalen Schulen und die Organisation von Sport-Events, Leseförder-Camps und Theater-Workshops werden für die Kinder weitere Bildungsanreize geschaffen. Im Vordergrund steht dabei immer der Spaß der Kinder, damit sie spielerisch lernen und gerne in die Zentren kommen.
Neben den Kindern fördert das Projektteam auch das Bewusstsein für Bildung, Gesundheit, Kinderrechte und kindgerechte Entwicklung bei deren Familien und der Dorfgemeinschaft. Regelmäßig werden Elterngespräche und Informationstreffen in den Dörfern sowie in den Siedlungen der Migranten angeboten, an denen die Menschen mit großem Interesse teilnehmen, mitdiskutieren und ihre Ideen einbringen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vernetzung und Zusammenarbeit mit Gemeinden, lokalen Institutionen und Akteuren in den Dörfern. Wie erfolgreich das ist, zeigt sich u.a. darin, dass fast alle Räumlichkeiten mietfrei von der Gemeindeverwaltung (Panchayat), den lokalen Schulen, den staatlichen Mutter-Kind-Zentren (ICDS) oder der Dorfgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden.
Seit Mai 2026 setzt das Projekt zusätzlich einkommensschaffende Maßnahmen zur Stabilisierung des Familieneinkommens um. In vier Dörfern werden in den nächsten zwei bis drei Jahren lokale Frauengruppen beim Aufbau einer Freiland-Hühnerzucht, einer Nähwerkstatt und der Papierteller-Produktion unterstützt. Neben technischen Trainings sind Fortbildungen im Bereich Selbstbewusstsein und Gruppen- und Finanzmanagement geplant sowie Unterstützung bei der Vermarktung. Das Interesse der Frauen ist groß; sie hoffen, so langfristig aus dem Teufelskreis von Tagelöhnerarbeit, Migration und Armut auszubrechen.
Wir danken der Schöck-Familien-Stiftung in Baden-Baden, durch deren Förderung von 90 % der Projektkosten dieses wichtige Projekt entwickelt und durchgeführt werden kann.
Spendenstichwort: Bildung Ziegeleien-Gebiet
Projektbudget (inkl. Projektbegleitung) 2026-27: 60.800 Euro,
aus Spendenmitteln benötigter Anteil 2026-27: ca. 15.000 Euro
Frühkindliche Förderung schafft Zukunftschancen:
Unser neues Projekt im Ziegeleien-Gebiet stärkt die Jüngsten von klein auf
(Corinna Wallrapp, Infobrief 2026)
Wir laufen durch Gaccha, ein Dorf im Distrikt North-24-Parganas, nahe der Grenze zu Bangladesch. Das Team unseres Projektpartners Kolkata Trust for Human Development hat mich während meiner dreiwöchigen Projektreise im Februar 2026 in die Dörfer mitgenommen, in denen im April unser Projekt für frühkindliche Förderung starten sollte. Fast alle Hütten sind aus Lehm, Stroh und vielen Plastikplanen gebaut, die Dachziegel großenteils beschädigt. Ganz dicht reihen sie sich aneinander. Schnell bildet sich um mich eine Traube von Kindern und einigen Müttern, die uns neugierig beobachten.
Die meisten Eltern in dem Gebiet sind Tagelöhner in den umliegenden Ziegeleien. In der Trockenzeit ist dort Hochbetrieb. Eltern und ältere Kinder stellen im Akkord Ziegel her – die Bezahlung erfolgt nach Anzahl gefertigter Ziegel und jeder Ziegel ist ein wichtiger Baustein für den Lebensunterhalt. Dazwischen krabbeln und laufen Kleinkinder herum, spielen im Lehm, langweilen sich, viele von ihnen leiden an Mangel- und Unterernährung, wirken ungepflegt. Andere Kinder bleiben zwar mit einzelnen Familienmitgliedern zu Hause, doch niemand hat Zeit, sich mit ihnen zu beschäftigen, sie zu fördern und in ihrer kindlichen Entwicklung zu unterstützen. Ein guter Start ins Leben sieht anders aus…
Nach dem Dorfrundgang laden wir Erwachsene und Kinder zu einem Gespräch über das geplante Projekt ein. Das Interesse der Mütter ist groß – sie sehen darin eine Möglichkeit, Betreuung und Förderung für ihre kleinen Kinder zu bekommen und selbst mehr Zeit zum Arbeiten und Geldverdienen zu haben.
Von April 2026 bis März 2029 sollen in den Dörfern Gaccha und Kulia zwei Vorschulzentren (Learning & Resource Centres, LRCs) entstehen, die 70 Kindern im Alter von zwei bis sieben Jahren einen geschützten Raum zum Lernen, Spielen und Sich-Entwickeln bieten. Spielerisch erwerben sie dort wichtige Grundlagen für einen erfolgreichen Schuleintritt durch gezielte Förderung sprachlicher, kognitiver, motorischer sowie sozialer und emotionaler Fähigkeiten. Kreative Angebote wie Malen, Musik, Tanz, Rollenspiele und Yoga stärken zusätzlich Selbstvertrauen, Ausdrucksfähigkeit und Gemeinschaftssinn. Ebenso wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten und das Einüben von Hygiene- und Gesundheitspraktiken, denn viele Kinder leiden an Mangelernährung und wachsen in unhygienischen Verhältnissen auf, in denen vermeidbare Krankheiten wie Magen-Darm-Infekte, Darmparasiten etc. weit verbreitet sind.
Weiterer wesentlicher Baustein des Konzeptes ist die Einbeziehung der Eltern. Bei regelmäßigen Treffen erhalten sie Informationen zu gesunder Ernährung, Hygiene, Gesundheitsvorsorge und nicht zuletzt zu den Kinderrechten. Essenziell ist dabei die Anleitung, welche staatlichen Hilfsangebote ihnen zustehen und wie sie zu beantragen sind. Sie lernen Möglichkeiten zur Verbesserung ihres Einkommens kennen. Ziel ist es, die Familien langfristig zu stärken, die Entwicklung der Kinder nachhaltig zu fördern.
Dabei setzt das Projekt bewusst dort an, wo staatliche Angebote aufgrund fehlender personeller oder finanzieller Ressourcen nicht ausreichen. Gleichzeitig wird großer Wert auf Nachhaltigkeit und den Aufbau langfristiger Strukturen gelegt: Die Dorfgemeinschaft wird von Anfang an eingebunden, engagierte Eltern werden geschult und übernehmen schrittweise Verantwortung für die Zentren. Auch kleine finanzielle Eigenbeiträge der Familien tragen dazu bei, die Einrichtungen langfristig zu sichern. Gleichzeitig will das Projekt die Dorfgemeinschaft darin stärken, ihr Recht auf funktionierende staatliche Strukturen und Programme einzufordern, wie zum Beispiel den Betrieb von Mutter-Kind Zentren (Integrated Child Development Service - ICDS) in allen Dörfern.
Schon jetzt, wenige Monate nach Projektstart, schafft das Projektteam mit diesem ganzheitlichen Ansatz bessere Entwicklungspotentiale für benachteiligte Vorschulkinder und stärkt zugleich Familien und Dorfgemeinschaften. Frühkindliche Förderung bedeutet weit mehr als die Vorbereitung auf die Schule – sie legt den Grundstein für Gesundheit, Selbstvertrauen, soziale Kompetenz und ein selbstbestimmtes Leben ohne Armut.
Wir danken der Dr. Birk Foundation in Berlin, die sich verpflichtet hat für mindestens drei Jahre das Projekt mitzufinanzieren.
Spendenstichwort: Frühkindliche Förderung
Projektbudget (inkl. Projektbegleitung) 2026-27: 28.900 Euro
aus Spendenmitteln benötigter Anteil 2026-27: 18.900 Euro
"Climate Smart Livelihoods for Resilient Communities in Chatra, 24 North Parganas, Westbengalen" unseres Partners Kolkata Trust for Human Development (KTfHD)
Das Projekt zielt darauf ab, in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen und u.a. der Jadavpur University die langfristige ökologische und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit in der vom Klimawandel besonders gefährdeten Region, ausgehend von der Kommune Chatra Gram Panchayat, zu stärken. Hierfür werden klimafreundliche, auf biologischen Betriebsmitteln basierende und diversifizierte Anbaumethoden gefördert, Marktanbindungen verbessert sowie der Zugang zu sauberem Trinkwasser durch den Schutz des Wasserreservoirs der Trinkwasseraufbereitungsanlage im Ortsteil Rasui gesichert. Durch diese Maßnahmen soll die Ernährungssicherheit der Haushalte verbessert sowie die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen der Familien stabilisiert werden. Gleichzeitig soll die Abhängigkeit von kostenintensiven externen Betriebsmitteln, insbesondere chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln, sowie von wiederkehrenden Ernteausfällen verringert werden. Im Rahmen des Projekts erhalten 30 direkt beteiligte Landwirtinnen und Landwirte Unterstützung bei der Diversifizierung ihrer Einkommensquellen, dem Aufbau von Marktanbindungen und der betrieblichen Finanz- planung. Ergänzend werden sie durch technische Beratung bei der Einführung klimafreundlicher und ressourceneffizienter Anbaumethoden begleitet, um die wirtschaftliche Stabilität ihrer Betriebe nachhaltig zu stärken.
Die Projekte der Indienhilfe in Westbengalen, Indien: mit wem? für wen? was und wie?
(Corinna Wallrapp)
Sariful Gazi, ein neunjähriger Junge aus einem abgelegenen Dorf, Gobindapur, geht gerne zur Schule, aber immer wieder kommt er mit dem Lernstoff nicht zurecht. Sariful lebt mit seinen Eltern und einem älteren Bruder in der Grenzregion zu Bangladesch. Die Eltern haben kein eigenes Land zur Bewirtschaftung. Sein Vater arbeitet als Gelegenheitsarbeiter auf Feldern anderer. Seine Mutter sammelt Pflanzen und Krebse im nahegelegenen Fluss, die sie auf dem Markt verkauft. Der Verdienst ist unsicher, meist reicht das Geld nicht für den Lebensunterhalt. Deshalb arbeiten die Eltern zusätzlich jedes Jahr in der Trockenzeit als Wanderarbeiter in Lehmziegel-Brennereien. Die Arbeit wird stückweise nach geformten Ziegeln bezahlt. Je mehr Hände helfen, desto mehr Ziegel können geformt werden. Deshalb müssen Sariful und sein Bruder mitwandern und mitarbeiten, auch wenn die körperliche Arbeit mit dem schweren Lehm für die Kinder viel zu anstrengend ist und sie deshalb für zwei bis drei Monate die Schule verpassen.
Sariful ist nur einer der ca. 500 Millionen Menschen, die zu den 30-40 % Armen in Indien gehören. Sariful jedoch hat das Glück, in der Region unseres Projektes „Child Labour Free Gram Panchayats“ unseres Partners Seva Kendra Calcutta (SKC) zu leben. Seit einem Jahr geht er regelmäßig in den Nachhilfeunterricht, der im Rahmen des Projekts angeboten wird, um seine Lerndefizite aufzuholen, und wo er lernt, selbstbewusst aufzutreten.
Auch sein Vater konnte vom Projekt profitieren: Durch die Vernetzung mit anderen Gemeindemitgliedern konnte er eine besser bezahlte und regelmäßige Arbeit bei lokalen Fischern finden, so dass die Familie nicht mehr zu den Ziegeleien migrieren muss. Ob Sariful später eine andere Arbeit als seine Eltern finden wird, hängt von vielen Faktoren ab. Ein guter Schulabschluss an einer weiterführenden Schule, ausreichende und ausgewogene Ernährung als Kind und eine starke Persönlichkeit erhöhen auf jeden Fall seine Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Armut (s. Artikel „Warum für Indien spenden?“).
Im Moment unterstützt die Indienhilfe sechs Projektpartner mit acht verschiedenen Projekten in abgelegenen und benachteiligten Regionen Westbengalens. Jedes Projekt ist an die jeweilige Situation vor Ort angepasst; gemeinsam ist jedoch allen das Ziel, die Situation der Kinder nachhaltig zu verbessern. Hierfür fördern wir in allen Projekten einen verbesserten Zugang zu Bildung durch motivierenden Nachhilfeunterricht, um bei den Kindern spielerisch Freude am Lernen zu wecken und die Lerndefizite auszugleichen, die neben den familiären Faktoren oft auch mangelhaften staatlichen Schulen geschuldet sind. Durch Hausbesuche und Gruppentreffen mit Eltern und Familien, vor allem den Müttern, verstehen die ProjektmitarbeiterInnen die Situationen in den Familien besser und unterstützen sie je nach Bedarf, z.B. bei der Herstellung von Kontakten oder der Beantragung staatlicher Leistungen und Programme. Letztere vervielfachen jeden von Ihnen gespendeten Euro!1 Für Schwangere und Kinder bis zu 6 Jahren steht die Motivation zur Nutzung der staatlichen Integrated Child Development Services (ICDS) – Mutter-und-Kind-Zentren – im Mittelpunkt: Schwangerenbetreuung, tägliche Mahlzeit für die Kleinkinder, Impfungen, Gesundheits-Checks, ggf. Arzt-Überweisung, nonformale Vorschulbildung, Verhütungsberatung etc. Das Projektteam klärt bei Elterntreffen über ausgewogene Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Hygiene und Kinderschutz, gewaltfreien Umgang in der Familie auf, stärkt die Frauen. Kontaktherstellung zu Schulen, Ämtern, Gemeindeverwaltungen, Behörden und Institutionen soll die Situation der Kinder positiv verändern, u.a. auch durch Aufzeigen von Mängeln oder Missständen in staatlichen Einrichtungen. Ein zentraler Aspekt ist die Förderung von Selbstorganisation in den Kommunen: die Menschen befähigen, selbst und gemeinsam ihre Probleme anzugehen, ihre Rechte durchzusetzen (Hilfe zur Selbsthilfe).2
Sariful und seine Familie stehen beispielhaft für unsere Zielgruppen in den Projekten: sozio-ökonomisch und kulturell benachteiligte Familien, die in prekären Lebensverhältnissen leben und kaum Möglichkeiten haben, ihre Situation aus eigener Kraft langfristig zu verbessern und ihre Kinder aus der Armutsfalle zu befreien. Noch viele andere Kinder sind auf Hilfe angewiesen. Ihre Spende hilft, dass wir noch mehr Kinder und deren Familien mit unseren Projekten erreichen.
FN 1: Infobrief 3/2022, S.4-5: „Wie unsere Projektpartner die Nutzung staatlicher indischer Hilfsprogramme befördern: Beispiel SANCHAR und unser Projekt für Kinder mit Behinderungen“, https://indienhilfe-herrsching.de/sites/default/files/Dokumente/Infobriefe/Indienhilfe-Weihnachtsinfo-2022.pdf
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Leave no one behind! Inklusion von Menschen mit Behinderung stärken –
Sanchar ist Partner der Indienhilfe beim neuen Programm „Moving Ahead“
(Corinna Wallrapp, Weihnachtsinfo 2023)
Mit verbundenen Augen steht Mitra M., Mitarbeiterin unseres Partners Hijli Inspiration, vor einem Tablett mit gefüllten Teetassen, zögerlich streckt sie ihre Hand Richtung Tasse. Ihre Aufgabe klingt einfach: Verteile die Teetassen an die anderen Personen im Raum! Doch wie viele Personen sind es? Wo stehen sie? Sind die Tassen sehr voll? Wie soll ich sie verteilen, ohne etwas auszuschütten? Mitra nimmt an einer Schulung unseres Projektpartners Sanchar teil und soll erfahren, wie sich das Leben für blinde Menschen anfühlt.
Im April 2023 konnten wir mit Moving Ahead ein wichtiges neues Programm mit unserer auf Inklusion spezialisierten Partnerorganisation Sanchar (s. Kasten) starten. Ermöglicht wird das von der Schöck-Familien-Stiftung gGmbH, die für zwei Jahre die Finanzierung bewilligt hat. In diesen zwei Jahren trainiert Sanchar vier unserer Partnerorganisationen1 und unterstützt sie dabei, Maßnahmen zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in ihre Projektarbeit und ihre Organisationsstruktur zu integrieren.
Seit fast zwei Jahrzehnten finanziert die Indienhilfe gemeindebasierte Behindertenarbeit. Im Coronajahr 2020 nahmen die Indienhilfe-Teams Herrsching und Kolkata und alle Projektpartner an einer viertägigen Online-Fortbildung zu Inklusivem Projektmanagement durch eine Trainerin der Christoffel-Blindenmission2 teil. Seither verfolgen wir das Ziel, Inklusion – nicht nur von Kindern – als Querschnittsaufgabe in allen Projekten und mit allen Partnern aufzugreifen.
Behinderung ist nach wie vor ein schambehaftetes Tabu. Menschen mit Behinderung werden von ihren Familien oft in den eigenen vier Wänden isoliert und von der Außenwelt abgeschottet. Armut und Behinderung bedingen sich oft gegenseitig: Menschen, die in Armut leben, sind einem höheren Risiko ausgesetzt, eine Behinderung zu haben, und diese macht es wiederum sehr schwierig, der Armut zu entfliehen. Bestehende Angebote für Menschen mit Behinderung sind eher in den großen Städten zu finden und für SlumbewohnerInnen und ländliche Bevölkerungsschichten in prekären Verhältnissen mit geringer Bildung schwer zugänglich. Kinder wie Erwachsene mit Behinderungen sind vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben weitgehend ausgegrenzt und vermehrt von Diskriminierung und (auch sexueller) Gewalt betroffen. Zugleich kennen viele Menschen mit Behinderung ihre Rechte und Ansprüche nicht bzw. sind nicht in der Lage, diese einzufordern. Mit Sanchar hat die Indienhilfe einen idealen Partner, um Inklusion in den Partnerorganisationen und unseren Projekten voranzutreiben.
Seit April diesen Jahres wurde im Projekt Moving Ahead bereits einiges umgesetzt: erste Vor-Ort-Besuche und Bedarfsanalysen in den vier Projektgebieten durch Sanchars ExpertInnen, kombiniert mit ersten Trainings für MitarbeiterInnen, schärften deren Wahrnehmung von Menschen mit Einschränkungen. In allen Projektgebieten gibt es Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und speziellen Bedürfnissen, die bisher nicht systematisch erfasst und angemessen gefördert werden konnten. Hier ist die Sensibilisierung der MitarbeiterInnen ebenso gefragt wie das Wissen über vorhandene Unterstützungsprogramme und Institutionen für die medizinische und therapeutische Versorgung der Kinder. Aufklärung zu Rechten und Umgang mit Stigmatisierung in Familie und Gesellschaft werden in den nächsten Wochen in intensiven Trainings von Sanchar aufgegriffen.
Als nächster Schritt ist die grundsätzliche Einbeziehung von Inklusion in die Maßnahmenplanung bei allen beteiligten Projekten zentral für das Moving-Ahead-Konzept. Für das indische Finanzjahr 2024-25 sollen alle beteiligten Partner projektspezifische Maßnahmen zur Förderung von Inklusion identifizieren, z.B. Kampagnen in den Familien und Gemeinden, Unterstützung bei der Beantragung von Behindertenausweisen und staatlichen Förderungen (z.B. für Rollstühle, Prothesen, Brillen etc.) oder Bereitstellung von Informationen zu therapeutischen Angeboten. In den Projekt Lernzentren soll der Blick für Kinder mit Auffälligkeiten geschärft werden, um ihnen individuelle Unterstützung anbieten zu können. Aber nicht nur die Indienhilfe-finanzierten Projekte und deren Zielgruppen sollen von Moving Ahead profitieren – ein Umdenken innerhalb der gesamten Organisation und – noch viel wichtiger – ein Umdenken in der umgebenden Gesellschaft sollen angestoßen werden, um dem Ziel „Leave no one behind!“ näher zu kommen.
Wir danken der Schöck-Familien-Stiftung sehr, die im Rahmen von Moving Ahead die Trainings und die Beratung bei der Entwicklung jeweils eigener Lösungen für zunächst zwei Jahre finanziert. Für die personalintensiven Maßnahmen zur verbesserten Inklusion von Menschen mit Behinderungen in allen Projektgebieten sind wir jedoch weiterhin dringend auf Spenden angewiesen, insbesondere für erforderliche zusätzliche MitarbeiterInnen!
Projektkosten „Community Based Rehabilitation“ 2023/24: etwa 30.000 €
Stichwort: Behindertenarbeit/Inklusion
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FN 1: Hijli Inspiration, Kajla Jana Kalyan Samity (KJKS), Lake Gardens Women & Children Development Centre, Seva Kendra Calcutta (SKC)
FN 2: CBM, Bensheim, mehr zum Thema unter https://www.cbm.de/informieren/armut-und-behinderung.html
Sanchar – unsere Experten für Inklusion
Junge engagierte SonderpädagogInnen um den leider bereits verstorbenen Gautam Chaudhury gründeten 1990 in Kolkata den Verein Sanchar, heute geführt von Tulika Das, Mitstreiterin der ersten Stunde. Sanchar setzt sich für Rechte und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen insbesondere in Slums und ländlichen Gebieten im Sinne der SDGs ein (UN-Nachhaltigkeitsziel SDG 10/“Leave No One Behind“ – s. https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/weniger-ungleichheiten-1592836) und hat sich zum Ziel gesetzt, zu einer Veränderung der sozial-gesellschaftlichen Strukturen beizutragen, damit Menschen mit Behinderungen respektiert und in allen Lebensbereichen gleichberechtigt einbezogen werden. Der in vielen Ländern der Welt etablierte Ansatz nennt sich „Gemeindenahe inklusive Entwicklung“ (Community Based Inclusive Development). Neben medizinischen Aspekten und Zugang zu Hilfsmitteln geht es dabei um Stärkung des familiären Umfelds, Bildung, Förderung der Existenzsicherung und einen allgemeinen sozial-gesellschaftlichen Wandel: Das Thema Behinderung soll nicht aus dem Alltag verbannt, sondern in Familie und Gesellschaft integriert werden. Sanchar bietet Organisationen in ganz Indien Beratung und Trainings an und setzt selbst Inklusions-Programme um. Seit 2016 arbeitet die Indienhilfe im Howrah-Distrikt mit Sanchar zusammen, mit Schwerpunkt auf Kindern mit Behinderung aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen, teil finanziert seit 2019 durch das Deutsche Katholische Blindenwerk, DKBW. Mehr zum Projekt unter hier. Dabei lebt Sanchar Inklusion in der eigenen Organisation vor: Die gehörlose Priyanka G. und der blinde Raman K. sind gleichwertige Mitarbeitende im Projekt-Team, bei Besprechungen ist es selbstverständlich, dass mit Gebärdensprache übersetzt wird,bzw. Präsentationen vorgelesen werden. So sieht gelebte Inklusion aus! (s.a. https://Sanchar-india.in/programme-unit-community-based-inclusive-development/)
Artikel als pdf-Datei
Info-Kasten Sanchar als pdf-Datei
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Wissenschaftlich bestätigt: Trinkwasseraufbereitungsanlage in Chatra entfernt alle Schadstoffe
(Corinna Wallrapp, Weihnachtsinfo 2023)
Nach Fertigstellung der Trinkwasseraufbereitungsanlage in Chatra, Herrschings Partnergemeinde, im Juli 2022 und mehr monatigem erfolgreichem Testbetrieb versorgt sie seit 6. Februar 2023 offiziell die Familien im Ortsteil Rasui mit sauberem Trinkwasser. Die ein Jahr lang regelmäßig entnommenen Wasserproben des aufbereiteten Wassers hielten die indischen wie internationalen Trinkwassernormen ein. Das Wasser für die Anlage wird dem nahegelegenen Fluss Padma entnommen, in einem Teich vorgeklärt und dann über ein mehrstufiges Filtrationssystem von Schadstoffen gereinigt. Die Filter bestehen aus effektiv aufeinander abgestimmten natürlichen Materialien wie Kies, Sand und Kohle, sowie Belüftungskaskade und anschließender Chlorung für die sichere Verteilung über Wasserleitungen. Ronjon Heim/adelphi research gGmbH, Berlin, unser Projektpartner, entwickelte das naturnahe Verfahren, überwachte den Bau und betreut nun die weiteren Schritte beim Betrieb mit der wissenschaftlichen Unterstützung der School of Water Resources Engineering der Jadavpur Universität in Kolkata. Das indische Department of Science and Technology finanzierte hier ein Labormodell der Filteranlage im Rahmen eines Forschungsprojektes. Vier Master-Arbeiten entstanden unter Leitung von Nilanjan Saha, Doktorand der Universität und Mitarbeiter von adelphi, und Professor Dr. Asis Mazumdar und Dr. Gourab Banerjee. Mit Hilfe von Versuchen und dem Vergleich detaillierter Laboranalysen von Wasserproben vom Fluss und vom aufbereiteten Wasser im Jahreslauf trugen sie zur Optimierung der Aufbereitung bei. Sie verglichen deren Qualitätsparameter, u.a. Sauerstoffgehalt, Trübung, Konzentration von Nitrat, Phosphat und siebzehn im Einzugsbereich häufig angewendeten Pestiziden, um die effizienteste Operation der Filteranlage zu bestimmen. Über das Jahr variiert die Wasserqualität des Flusses sehr, abhängig vor allem von den landwirtschaftlichen Aktivitäten auf den umliegenden Feldern und Monsunphänomenen, zu denen neben Überflutung auch die Verarbeitung von Jute im Fluss gehört. Obwohl teilweise sehr hohe Schadstoffwerte weit über den Trinkwassernormen im Flusswasser festgestellt wurden, konnte die Anlage all diese Stoffe das ganze Jahr über weit unter die Grenzwerte entfernen.
Die Trinkwasseranlage in Chatra zeigt, dass es möglich ist, auch stark verschmutztes Oberflächenwasser durch ein natülich-biologisches Verfahren effektiv zu filtern und zu sauberem Trinkwasser aufzubereiten. Bei weltweit absinkenden Grundwasserspiegeln, hoher Wasserverschmutzung und Wasserverknappung sind dies wichtige Ergebnisse, die nicht nur für Indien, sondern auch für andere Länder bedeutsam werden.
Der Betrieb der Anlage ist seit Oktober 2023 in der Hand der Gemeinde Chatra unter Einbindung der lokalen Bevölkerung. Dennoch werden aktuell noch dringend Spenden benötigt, um die nächsten Schritte durchführen zu können: Schutz des Teiches vor Fluten durch erhöhte und durch Bepflanzung gefestigte Seitenwände, solar betriebener Entnahmefilter für die Vorreinigung und Befüllung des Teiches mit Flusswasser, Anschaffung einer Elektrorikscha zur Verteilung des Wassers in Kanistern, solange das Leitungsnetz nicht weiter ausgebaut werden kann, und als längerfristige Aufgabe Maßnahmen zur Verringerung des Eintrags an Verschmutzungen im Einzugsgebiet.

