Trinkwasser Chatra

Ein Grund zum Feiern: Trinkwasseraufbereitungsanlage in Chatra nimmt Test-Betrieb auf
(Sarah Well-Lipowski, Sommerinfo 2022)

Nach jahrelanger harter Arbeit und Herausforderungen aller Art ist es endlich so weit: Die Trinkwasseraufbereitungsan­lange in Chatra hat am 28. Juli 2022 den Test-Betrieb aufgenom­men! Sauberes Trinkwasser rückt damit für die Bewohner mehrerer Siedlungen im Ortsteil Rasui in Herrschings Partner­gemeinde Chatra in greifbare Nähe. Alle gemessenen Werte liegen bereits innerhalb des zulässigen Rahmens. Die Anlage wird 2023 an die Gemeinde Chatra (bzw. die zuständige Behörde) übergeben, welche die Kosten für Betrieb und War­tung übernehmen und das Wasser kostenlos zur Verfügung stellen wird. Täglich können dann etwa 160 Haushalte, mehr als 600 Personen, mit sauberem Trinkwasser versorgt werden.

SDWP Trinkwasseranlage in Chatra
Fertiggestellte Trinkwasseraufbereitungsanlage in Rasui. Die Kom­ponenten sind durch Abkürzungen kenntlich gemacht (SSF = Slow Sand Filter, CWT = Clear Water Tank, DIGF = Dynamic Intake Gravel Filter, BT = Buffer Tank. Nicht zu sehen/beschriftet: RSF = Rough Sand Filter, ACF = Activated Carbon Filter)       © Indienhilfe

Das „Safe Drinking Water Project“ (SDWP) war immer wieder von Problemen und Rückschlägen gebeutelt worden: Ungewöhnlich heftige Monsunregen und der Corona-Lock­down hatten die Bauarbeiten mehrmals verzögert. Zwei schlimme Zyklone 2020 und 2021 führten zur Erkenntnis, dass die Anlage stärker als geplant gegen Hochwasser geschützt werden muss. Auch die politisch-administrative Situation war nicht immer einfach: Genehmigungsverfahren verzögerten sich durch Kommunalwahlen 2018, Wahlen in Indien (2019) und Westbengalen (2021). Der zu Baubeginn amtierende Bürgermeister von Chatra erkrankte schwer und konnte seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen. Im Oktober 2020 starb er. Zu guter Letzt wurde Ende 2020 der Standort für die Trink­wasseraufbereitungsanlage verlegt.1

Am neuen Standort in Rasui leben etwa 50% Dalitfamilien (Angehörige der registrierten „unberührbaren“ Kasten), etwa ein Drittel Muslime – in ähnlich prekären Lebensumständen; die restlichen Familien gehören den OBC (Other Backward Castes) an. 35% verrichten als Tagelöhner in Landwirtschaft, Ziegeleien, bei Bau und Transport Schwerstarbeit, 28% sind Kleinstbauern. Die Monatseinkommen liegen zwischen 25 und 125 €. Viele Familien besitzen zwar Brunnen mit Schwengelpumpe, doch ist das geförderte Wasser mit Arsen und oft auch mit Keimen aus den zu nahen Plumpsklos belas­tet. In der Regenzeit werden die Brunnen in den niedrig liegenden Armenvierteln durch Schmutzwasser geflutet. Fast alle BewohnerInnen klagen über häufige Durchfälle durch fäkale Krankheitserreger und Parasiten, was zu krankheitsbe­dingten Arbeits- und somit Verdienstausfällen führt. Kein Wunder, dass die BewohnerInnen großes Interesse an siche­rem Trinkwasser haben.

Die Verseuchung des Grundwassers in Chatra mit Arsen war seit Beginn der Städtepartnerschaft 1996 Thema. Auf Anre­gung von Bürgermeister Schiller, unterstützt vom 2020 früh verstorbenen AWA-Chef Doblinger, befasste sich ab 2012 ein Arbeitskreis Wasser in Regie der Indienhilfe mit dem Thema „sauberes Trinkwasser für Chatra“. 2016 startete die IH das SDWP, nachdem sich mit der adelphi research gGmbH in Berlin ein erfahrener Partner für die technische und partizipa­tive Umsetzung gefunden hatte. Adelphis weltweit tätiger Bengali sprechender Senior Researcher Water Ronjon Heim  in Ber­lin sowie vor Ort sein Mitarbeiter, Doktorand Nilanjan Saha, haben das Projekt gegen alle Hindernisse mit enormem, auch ehrenamtlichem, Einsatz vorangetrieben. Voruntersuchungen wurden durchgeführt, unterschiedliche technische Ansätze verglichen, Konstruktionspläne entworfen und angepasst, die beiden Gemeinden im Rahmen eines NaKoPa-Projektes (Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partner­schaftsprojekte, siehe Kasten) ab Ende 2018 bei der Ausschrei­bung und der Überwachung der Bau- und Begleitmaßnahmen unterstützt. Die Machbarkeitsstudie begründete die Entschei­dung, aus Regenwasser gespeistes Oberflächenwasser aufzu­bereiten, das nicht mit Arsen verseucht und im Gangesdelta reichlich vorhanden ist. Wasser aus dem Fluss Padma wird in einem ausgebauten Teich zur Sedimentation und Oxidation zwischengespeichert, bevor es in die Filteranlage (Multi Stage Filtration) mit ihrem fein austarierten Kammersystem mit unterschiedlichen Filtermaterialien (Sand, Steine, Aktivkohle etc.) für verschiedene Stufen der Filterung fließt. Die Belas­tung durch Bakterien, Chemikalien, Pflanzenschutzmittel, Dünger, Antibiotika aus Landwirtschaft, Tierhaltung, Fisch­zucht etc. erfordert eine sorgfältige, aufwändige Aufbereitung des Wassers. Aus Sicherheitsgründen wird zuletzt Chlor zuge­fügt. Zwölf Solarpanels liefern den Strom für das Pumpen des Trinkwassers in den Hochbehälter, von wo er ins Verteil­system fließt (zunächst nur drei Zapfstellen). Durch die Verwendung örtlich vorhandener natürlicher Materialien ist die Anlage ökologisch nachhaltig. Aktive Mitglieder des WassernutzerInnen-Komitees werden für die Bedienung, Wartung und für die Erhebung von Messwerten ausgebildet und ein Jahr lang durch alle Jahreszeiten begleitet und ange­leitet. Die Betriebskosten sind relativ gering.

Die Gemeinde Herrsching hat die Verantwortung für das Kernstück des SDWP übernommen, nämlich den tatsächli­chen Bau der Anlage. Im Rahmen des NaKoPa-Förderpro­gramms der „Servicestelle Kommunen in der Einen-Welt“ (SKEW), hat sie unter Federführung von Bürgermeister Chris­tian Schiller und Mitarbeiterin Franziska Kalz die Finanzie­rung des Baus der Anlage einschließlich partnerschaftlicher Aktivitäten beantragt und abgewickelt (siehe Kasten). Die Bauar­beiten wurden durch die indische Firma der Wasserbau-Inge­nieurin Manisha Banik, MAB Incorporation, durchgeführt. Sie selbst führt das Training für das lokale Wartungspersonal ein ganzes Jahr lang durch. Die Indienhilfe kümmert(e) sich um die nötigen logistischen, technischen, sozialen flankieren­den Maßnahmen des Baus mit Hilfe von adelphi, dem Projekt­partner Inspiration und unserem indischen ExpertInnen-Team unter Führung von Rusha Mitra in Kolkata.

Um die aktive Beteiligung der lokalen Bevölkerung und der Gemeinde Chatra, sowie deren Identifikation mit dem SDWP-Projekt sicherzustellen, haben wir mit unserem Partner Inspi­ration begleitend das Projekt "Grüne Kommune für Nachhal­tige Entwicklung Chatra" konzipiert. So wurden die Einwohner Rasuis angeleitet, ein WassernutzerInnen-Komitee zu grün­den, das sich um alle Angelegenheiten rund um Betrieb und Wartung der Anlage kümmern wird. Über die Aktivitäten im Einzelnen werden wir im nächsten Indienhilfe-Info ausführli­cher berichten.

In den nächsten 12 Monaten wird der Fokus auf der Überwa­chung der Wasserqualität und der Optimierung der Anlage liegen, während erste Haushalte bereits in den Genuss des gereinigten Wassers kommen. Die Befestigung des Speicher­teiches muss erhöht werden, um Extremwetterereignissen Stand zu halten. Für den Schutz des Einzugsgebiets rund um die Trinkwasseranlage wird Inspiration mit umliegenden Bauern und Fischzüchtern zusammenarbeiten, um die Belas­tung des Wassers zu verringern.

Der Aufbau eines Trinkwasserverteilungsnetzes und ein Abwasserentsorgungssystem wären notwendig, doch zuerst muss der reibungslose Betrieb der neugebauten Anlage gewährleistet sein. Abgesehen von der NaKoPa-Förderung des Baus der Anlage werden alle übrigen Kosten für die Arbeit von adelphi und Inspiration von der Indienhilfe mit ihren SpenderInnen, insbesondere auch der Schulen, getra­gen. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, das Trinkwasserprojekt in Chatra zu einem ersten erfolgreichen Abschluss zu bringen!

Kosten 2022/23: adelphi ca. 28.000 €,  Inspiration ca. 22.000 €
Stichwort: Trinkwasser Chatra

Die kleine Gemeinde Herrsching mit ihrem NaKoPa-Projekt DEINWasserKommT! (Finanzierung: Ministe­rium für Wirtschaftl. Zusammenarbeit und Entwick­lung, BMZ, mehr unter https://skew.engagement-glo­bal.de/unterstuetzung-durch-nakopa.html) ist Pionier in Sachen globaler Partnerschaft: Wenige deut­sche entwicklungspolitisch aktive Gemeinden haben bisher solch gemeinsame Projekte mit der Partnerge­meinde gewagt, deren Ziel es ist, lokale Lösungsan­sätze zu globalen Fragen im Sinne der Agenda 2030 zu entwi­ckeln und umzusetzen: die Trinkwasseranlage betrifft nachhaltige Daseinsvorsorge ebenso wie Klimaanpas­sung. Unterschiedliche kommunale Struk­turen, Vorge­hensweisen, Befugnisse, personelle, finan­zielle, techni­sche Ausstattung der Partnergemeinden erforderten dabei intensive Kommunikation, Flexibili­tät und Durchhaltevermögen. Zoom-Konferenzen mit allen Beteiligten, eine Delegationsreise nach Herr­sching und die gemeinsame (digitale) Teilnahme an der 3. Asien­konferenz 2021 haben gegenseitiges Vertrauen, menschliche Beziehungen als auch wissen­schaftlichen Austausch durch Einbeziehung von indi­schen (Jadavpur University Kolkata) und deutschen Universitäten (TUM u.a.), vorangebracht. So liefert das SDWP Anstöße für die Forschung an zukunftsfähi­gen Formen der Wasser­versorgung – ein Thema, das angesichts weltweit zunehmender Wassernot an Brisanz gewinnt.

(1) Am ursprünglichen Standort, dem Ghoshpur Adivasi Para, waren die Bauarbeiten nur schleppend vorangegangen. Nach Ausbruch schwelender Konflikte innerhalb der dortigen Bevölkerung wurde mit Rasui ein alternativer Ortsteil mit gravierendem Mangel an sauberem Trinkwasser identifiziert. Gemeinsam mit allen Beteiligten wurde entschieden, die Trinkwasseranlage dort zu bauen. In Ghoshpur betreibt weiterhin unser Projektpartner Inspiration ein Nachhilfezentrum, fördert Küchengärten und unterstützt Frauen-SelbstHilfe-Gruppen (SHGs). Trainings zu Hygiene und Gesundheit haben einen langfristigen positiven Effekt.

Artikel als pdf-Datei


Aktuelle Informationen zum Trinkwasserprojekt in Chatra finden Sie in der Powerpoint-Präsentation von Nilanjan Saha und Ronjon Chakrabarti (adelphi gGmbH Berlin) anlässlich der Mitgliederversammlung der Indienhilfe am 23.10.2021


Die Bauarbeiten haben begonnen. Sauberes Trinkwasser für Adivasi-Siedlung in Herrschings Partnergemeinde Chatra in Sicht (Weihnachtsinfo 2019)

Das Trinkwasser-Projekt Chatra, das wir in Zusammenarbeit mit der adelphi gGmbH Berlin und der Gemeinde Herrsching durchführen, kommt in die entscheidende Phase: Nach Bedarfsanalyse und Machbarkeitsstudie erarbeitete das adelphi-Team die technischen Detailpläne für die MehrStufige Filtrationsanlage (MSF), die sich als nachhaltigste und lokal am besten umsetzbare Methode zur Gewinnung sauberen Trinkwassers aus Oberflächenwasser herausgestellt hatte. Während die Indienhilfe mit adelphi Vor- und Nachbereitung und die nötigen begleitenden Maßnahmen stemmt, wurde der Bau der Anlage als solcher zu einem eigenständigen gemeinschaftlichen Projekt der Partnergemeinden Herrsching und Chatra, finanziert aus Mitteln des Entwicklungsministeriums (BMZ) im Rahmen des Programms NaKoPa – Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte.

Während des Besuchs einer kleinen Delegation aus Indien in Herrsching zum fachlichen Austausch Mitte November wurde eine Kleinkläranlage in Rott (Vilgertshofen) mit SBR-Technik (Sequentielle  Biologische Reinigung/ Sequential Batch Reaktor) besichtigt. In der Anlage wurde die derzeit dem Stand der Technik entsprechende dezentrale Reinigung von häuslichem Abwasser begutachtet und die Einbindung in den lokalen Wasserkreislauf diskutiert. Dabei war die Wasserqualitätsüberwachung vor Ort von besonderem Interesse für die indische Partnergemeinde Chatra.
NaKoPa-Delegation
Im Wasserqualitätslabor der Anlage von li. n. re. Ronjon Chakrabarti (adelphi Berlin), Bgm. Quirin Krötz, der Abwassermeister, der Betreiber der Kläranlage, Nilanjan Saha (adelphi Kolkata), Herr Weiß (Wasserwirtschaftsamt Weilheim), Herr Ashis Biswas (Staatl. Gemeinde-Ingenieur Chatra), Rusha Mitra (IH-Projektkoordination Kolkata), Franziska Kalz (Gem. Herrsching). (©: IH)

 

Damit engagiert sich die 11.000-Einwohner-Gemeinde Herrsching für das SDG 17 der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele) – internationale Solidarität zwischen armen und reichen Ländern, globale Partnerschaft in gegenseitigem Respekt, mit gemeinsam getragenen Werten und gebündelter Kraftanstrengung aller Beteiligten.(1)

Seit Oktober 2018 erstellte das Projekt-Team die Ausschreibungsunterlagen, wählte ein geeignetes lokales Bauunternehmen aus und einigte sich mit der Gemeinde Chatra auf ein passendes Grundstück. Dem Bau stand eigentlich nichts mehr im Wege – außer den indischen Nationalwahlen, die die Bürokratie des Landes auf Monate zum Stillstand brachten. Trotz zahlreicher Briefe, Telefonate, Vorsprachen, Projekt-Präsentationen bei den Behörden ließ die letzte notwendige schriftliche Genehmigung zur Nutzung des staatlichen Grundstücks auf sich warten. Ende August die erlösende Nachricht: Westbengalens Premierministerin (Regentin über mehr Einwohner als Deutschland sie hat) hat die Freigabe des Grundstücks für den Bau der Wasseraufbereitungsanlage unterschrieben! Nun musste noch das Ende des Monsuns abgewartet werden, bevor vor kurzem mit dem Ausheben des Teiches als erstem Schritt begonnen werden konnte. Weitere interessante Details finden Sie in der Präsentation von Ronjon Chakrabarti bei unserer Mitgliederversammlung auf unserer Website.(2)

Spendenstichwort: Trinkwasser Chatra
Benötigte Summe: 29.000 Euro

FN 1 https://www.bmz.de/rue/de/international/SDG/index.html
FN 2 https://indienhilfe-herrsching.de/sites/default/files/Dokumente/IH_MV2019_PPT_TrinkwasserChatra_RonjonChakrabarti_12.10.19.pdf


 

Hijli Inspiration – unser neuer Partner für die Begleitmaßnahmen im Trinkwasserprojekt Chatra

(Weihnachtsinfo 2019)

Während im Rahmen des NaKoPa-Projekts Herrsching-Chatra auf die Baugenehmigung gewartet wurde (siehe oben), arbeitete unser neuer Partner Hijli Inspiration bereits intensiv mit den 150 Familien im Ghoshpur Adivasi Para von Chatra. Hijli Inspiration hatte zum 1.10.2018 unseren damaligen Partner DRCSC abgelöst, der die Zusammenarbeit einseitig und kurzfristig aus internen Gründen zum 30.9.18 kündigte. Wir sind sehr froh, mit Hijli Inspiration schnell einen kompetenten Partner gefunden zu haben, der nicht nur die Kontinuität der Aktivitäten lückenlos gewährleisten konnte, sondern auch über weitreichende Erfahrungen im Bereich Trinkwasser & Hygiene sowie in der Zusammenarbeit mit entsprechenden Regierungsstellen verfügt.

Ein Arbeitsschwerpunkt für das Team sind Aufklärungsmaßnahmen zum Thema „sauberes Trinkwasser“. Die Adivasi-Familien verfügen über individuelle Schwengelpumpen, wobei das hochgepumpte Wasser bei den meisten nicht nur mit Arsen, sondern auch mikrobiell verseucht und gesundheitsschädlich ist.

he19_INSPIRATION
Schüler der Ananda Niketan Schule Chatra informieren Kinder im Ghoshpur Adivasi Para über die Aktivitäten ihres Öko-Clubs (©: IH)

Die Mitarbeiter von Hijli Inspiration klären über die Zusammenhänge auf, wie wichtig sauberes und arsenfreies Trinkwasser zum Kochen und Trinken ist, und sprechen Themen wie persönliche Hygiene und gesunde ausgewogene Ernährung an. Die Familien werden bei der Anlage von chemiefreien Obst- und Gemüsegärten angeleitet und mit Saatgut unterstützt. Inspiration fördert die Gründung von Spar- und Kreditgruppen (Self Help Groups) von Frauen und organisiert Hausaufgabenbetreuung für die Kinder. Gleichzeitig bemühen sie sich um die Aktivierung der Wassernutzergruppe im Adivasi Para und des offiziellen Village Water and Sanitation Committee.

Das Projekt ist eng verknüpft mit der seit 1995 bestehenden Städte-Freundschaft, seit 2005 -Partnerschaft, Herrsching-Chatra, in deren Rahmen das Trinkwasser-Projekt initiiert wurde, und so ist die Begleitung der Partnerschaftsaktivitäten, vor allem auch der Schulpartnerschaften, eine wichtige Aufgabe für das Team.

Spendenstichwort: Nachhaltige Dorfentwicklung
Benötigte Summe: 24.000 Euro


Das kommunale Trinkwasser-Projekt in Herrschings Partnergemeinde Chatra

(Sabine Jeschke / Marion Schmid)

Am 8. Juni 2018 ist es wieder soweit: die Schüler und Schüle­rinnen der Christian Morgenstern Grund- und Mittel­schule Herrsching werden zu Gunsten des Trinkwasser-Projekts in Chatra laufen. Am Ende des Spendenlaufs werden sich die durstigen Kinder dankbar auf Wasser stürzen, das bei uns wie selbstverständlich in bester Qualität aus der Leitung fließt. Für die Kinder im Ghoshpur Adivasi Para in Chatra hingegen bedeu­tet das Wasser ein ständiges Gesund­heitsrisiko. Nur 15 der 81 Brunnen liefern sauberes Trink­wasser, und so konsumieren etwa 540 der 700 dort lebenden Menschen mit Arsenik, Eisen und Fäkalbakterien verun­reinigtes Trinkwasser, mit entsprechenden Folgen für die Gesundheit.

Gemeinsam mit der Gemeinde Herrsching und der adelphi research gGmbH[1] hat die Indienhilfe 2016 das Trinkwasser-Projekt in Chatra begonnen, um für besonders arme Adivasi-Familien in Chatras Ortsteil Ghoshpur eine nachhaltige Ver­sor­gung mit sauberem Trinkwasser zu schaffen. Nach den Vorar­beiten des adelphi-Teams unter Leitung von Ronjon Chakrabarti in den vergangenen Jahren, wie Studien zur Situation vor Ort mit Erarbeitung eines Projektkonzepts, die Gründung eines Wasser-Komitees zur Einbeziehung der Dorfbewohner und eine Mach­barkeitsstudie für drei ver­schiedene technische Lösungen, erwies sich der Bau einer Mehrstufigen Filtrationsanlage (MSF), bei der ganzjährig vorhandenes Oberflächenwasser (Teich, Fluss) als Rohwasser-Quelle genutzt und mit naturnahen Prozessen aufbe­reitet wird, als nachhaltigste Lösung, vor allem unter ökolo­gischen und partizipatorischen Gesichtspunkten. Die Wartung ist kostengünstig und lokal durchführbar.

Im Rahmen der Regionalkonferenz „Kommunale Partner­schaften mit Asien“ im Juni 2017 hatte die Indienhilfe, vertreten durch Projektkoordinatorin Marion Schmid, die Möglichkeit, den Bürgermeister von Herrschings Partner­gemeinde Chatra, Herrn Thakurdas Mallick, zusammen mit S.V. Raman (freier Mitar­beiter der Indienhilfe in Kolkata, 35 Jahre lang Programm­direktor des dortigen Goethe-Instituts; er fungierte als Übersetzer und ist auch ein wichtiger Träger der Partnerschaft mit Chatra) nach Deutschland einzu­laden. Bei der Konferenz in Bonn waren rund 90 Vertreter aus Kommunalverwaltung und Zivilgesellschaft anwesend, die der Einladung der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global[2] folgten. Neben vielen Städte­partnern aus Deutschland nahmen dreißig Partner aus sieben asiatischen Ländern, darunter Indien, teil. Auch Herrschings Bürgermeister Christian Schiller und Franziska Kalz, bei der Gemeinde für Umwelt und Agenda 21 zuständig, waren einen Tag lang zur Konferenz gefahren. Der Fokus des Treffens lag auf der Frage, wie Partnerschaften unter den globa­len Herausforderungen lebendig und nachhaltig gestal­tet werden können. Ein Empfang im Rathaus der Stadt Bonn und eine Rhein­fahrt boten neben zahlreichen Workshops und Dialog­foren viel Gelegenheit zu Begegnung und lebhaftem Austausch, aber es wurde auch über konkrete Förder­möglichkeiten für Partner­schaftsprojekte aus BMZ-Mitteln informiert. 

Ein kurzer Aufenthalt von Herrn Mallick und Herrn Raman in Herrsching  schloss sich an: Arbeitsgespräche bei der Indienhilfe, Begleitung von Bürgermeister Christian Schiller während eines Arbeitstages, Besuche bei der Energiege­nossenschaft Fünfseen­land und der Ammersee Wasser und Abwasser gkU, eine Fahrt nach Augsburg zum Fairtrade-Town-Vernetzungstreffen und zu den Bayerischen Eine-Welt-Tagen, sowie der Besuch von Partnerschulen in Herrsching und Gilching, der Teilnahme an einer Gemeinde­ratssitzung und viele weitere Programmpunkte standen auf der Agenda. Ein Highlight war die feierliche Eröff­nung der Ausstellung über die Geschichte der Partnerschaft zwischen Chatra und Herrsching im Saal der Indienhilfe mit Ehrengast Dr. Ute Eiling-Hütig, MdL.

5V5A3257
Von links nach rechts: Franziska Kalz, Thakurdas Mallick, Christian Schiller, S.V. Raman                                  (©: IH)

Im Nachgang zu dieser Konferenz beantragte die Gemeinde Herrsching erstmalig Fördergelder des BMZ für den konkre­ten Bau der Wasseraufbereitungsanlage im Rahmen des Programms NAKOPA – Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partner­schaftsprojekte – bei Engagement Global. Während des Baus der Anlage läuft die Zusammenarbeit der Indienhilfe mit adelphi weiter. Für den hoffentlich im Lauf des Jahres 2018 bewilligten Bau sind viele Vorbereitungen zu treffen, wie die Erstellung der Unterlagen für das öffent­liche Ausschrei­bungsverfahren, mit dem vor Ort ein lokales Bauunter­nehmen gesucht werden wird, Klärung der Besitz­verhältnisse für den Teich, akzeptanzfördernde Aktivitäten wie Gesundheits- und Informationskampagnen, Vorbereitung von Wasserschutzmaß­nahmen mit den Bauern im Einzugs­gebiet. Das lokale Wasser-Komitee wird gestärkt und bei der Beantragung staatlicher Programme unterstützt. Damit die Anlage nach Fertigstellung und einjähriger Übergangsphase selbstständig von Chatras Gemeindeverwaltung und dem Wasser-Komitee betrieben wer­den kann, ist eine partizipative Vorgehensweise unabdingbar, bei der die lokale Bevölkerung auf allen Ebenen in die einzelnen Projektschritte einbezogen ist. Die Anlage in Ghoshpur soll ein Modell werden, das in anderen Ortsteilen und in anderen Kommunen repliziert werden kann.

 2018 benötigte Summe: ca. 33.000 Euro
Spenden-Stichwort: Trinkwasser Chatra

Neben einigen Firmen und Privatpersonen geht ein großer Dank an die engagierten Schüler und Schüle­rinnen sowie Lehrkräfte und Eltern von Schulen in Herrsching, Gilching und Inning, die durch Spenden­läufe, Catering bei Schulveranstaltungen, Flohmärkte und andere Aktionen erheblich zur Deckung der Kosten beigetragen haben

[1] Die adelphi research gGmbH Berlin ist eine gemeinnützige im technischen und Umweltbereich international tätige Non-Profit-Organisation, die über das technische Know-How zur Durchführung des Projekts verfügt.

[2] vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte Servicestelle

Einander Freunde und Partner sein - Trinkwasserprojekt Chatra Adivasi Para

Alles Leben auf der Erde ist abhängig von Wasser. Es ist unser wichtigstes Lebensmittel und wir benötigen es im Haushalt, für die Landwirtschaft und in der Industrie. Dennoch haben etwa zehn Prozent der Menschheit keinen Zugang zu saube­rem Trink­wasser, etwa 32 Prozent keine angemessene sanitäre Basis­versorgung. Damit fehlt eine grundlegende Vorausset­zung für nachhaltige Entwicklung. So lautet die Kernbotschaft des  sechsten[1]  der  insgesamt  17  Nachhaltigkeitsziele  der Agenda 2030, von den Vereinten Nationen 2015 verab­schiedet. Diese Ziele spiegeln die Erkenntnis wider, dass sich die globalen Herausforderungen nur gemeinsam in der „Einen Welt“ lösen lassen[2]. Mit dem Safe Drinking Water Project Chatra will die Indienhilfe dieser Verant­wortung gerecht werden, gemäß ihrem Motto „teilen – lernen – miteinander für eine zukunftsfähige Erde“.

In Westbengalen, wo Rohrbrunnen für die Landbevölkerung die meistgenutzte Trinkwasserquelle sind, bildet die Verun­reinigung von Grundwasser mit Arsenik ein schwerwiegendes gesund­heitliches Risiko. Die Hälfte der 7,3 Millionen Einwoh­ner des Distrikts Nord 24-Parganas, in dem Herrschings Partnergemeinde Chatra liegt, konsumiert täglich mit Arsenik verseuchtes Trink­wasser. Es ist uns ein Herzensanliegen, die Gemeinden Herrsching und Chatra dabei zu unterstützen, ein gemeinsames Trinkwasserprojekt auf die Beine zu stellen. Dabei war es für unseren 2012 dafür gegründeten Herrschin­ger Arbeitskreis die größte Herausforderung, einen Projekt­partner zu finden, der technische mit sozialer, ökologischer und ortsbezogener Kompetenz verbindet: Seit Juni 2016 haben wir das Glück, mit einem jungen, hochprofessionellen und persönlich engagierten Team der Adelphi Research gGmbH Berlin[3] unter Führung von Ronjon Chakrabarti und Jonas Bunsen zusammenarbeiten zu können. Chakrabarti hat 2016 für Adelphi ein dörfliches Trinkwasser­projekt in West­bengalen erfolgreich abgeschlossen, dabei Knowhow und ein Netzwerk aufgebaut, z.B. mit Dr. Dipankar Chakraborti, dem Direktor der School of Environmental Studies incl. Arsenic Unit, Yadavpur Universität Kalkutta. Einer seiner Doktoran­den ist jetzt für Adelphi im Chatra-Projekt tätig. Etwa 150 besonders arme Adivasi-Familien in Chatras Ortsteil Ghoshpur, knapp 700 Menschen, darunter viele Analphabeten, viele Tagelöhner, als Umweltflüchtlinge vor Jahrzehnten dort gestrandet, sollen durch das Partner­schafts-Modellprojekt nachhaltig mit arsenfreiem sauberem Trinkwasser versorgt werden. Nur 15 von 81 Rohrbrunnen dort sind sauber, wie inzwischen untersucht wurde. 80 Prozent der Menschen trinken regelmäßig mit Arsenik, Eisen, Fäkalbakterien belastetes Wasser.

Adivasipara
Das Adivasipara Ghoshpur in Chatra - eine alltägliche Situation: Frau wäscht ihr Kind, daneben Toiletten.      Bild: IH

Das komplexe Projekt, bei dem wir zusätzlich mit Youth Action Groups und unserem Partner DRCSC zusammen­arbeiten, ist in vier Phasen untergliedert: 2016 wurden lokale Rahmen­bedingungen (Haushalte, Wasserquellen, Wasser­bedarf und ‑verbrauch, Gesundheit...) für die Ausarbeitung eines Projekt­konzepts ermittelt. 2017 folgte eine Machbar­keitsstudie für drei unterschiedliche technische Lösungen und deren finanzielle Aspekte. Soeben hat der Arbeitsausschuss der Indienhilfe den Einstieg in die entscheidenden Phasen (2018-2020) mit Ausschreibung, Konstruktion und Inbe­triebnahme einer Anlage beschlossen, begleitet von fortlau­fender Überwachung der Wasserqualität und Stärkung der lokalen Kompetenzen. Mit Adelphi legen wir Wert auf eine partizipative Herangehensweise, damit die Gemeinde Chatra die geplante Trinkwasseraufbereitungs­anlage dauerhaft in Eigenregie betreiben kann.[4] Für den Bau einer sog. Mehrstufigen Filtrationsanlage (MSF) für Oberflächenwasser (Fluss, Teich) plant die Gemeinde Herrsching, über das Programm Nakopa – Nach­haltige Kommunalentwicklung durch Partner­schafts­projekte des deutschen Entwicklungsministeriums BMZ die nötigen Mittel zu beantragen. Darüber hinaus unter­stützt Adelphi Chatras Gemeindeverwaltung und das Village Water and Sanitation Committee dabei, Programme der indischen Regierung aufzugreifen und selbst für das übrige Chatra die Versorgung mit sauberem aresenfreiem Trinkwasser sicherzu­stellen.

[1] Sustainable Development Goal/SDG 6: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten

[2] mehr Infos unter http://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/2030_agenda/index.html

[3] Adelphi Research ist eine gemeinnützige, unabhängige, weltweit tätige Beratungseinrichtung für Klima, Umwelt und Entwicklung. Weitere Informationen unter https://www.adelphi.de/de/profil/adelphi-research

[4] Die Konzepte, Berichte und Präsentationen von Adelphi zum Trinkwasserprojekt können per email angefordert werden.


Herbstinfo 2016


Trinkwasserprojekt Chatra


„Wir in Herrsching vergessen oft, was es wert ist, sauberes Trinkwasser aus der Leitung zu bekommen“, stellte Bürgermeister Christian Schiller in der Gemeinderatssitzung am 17.10. nach der Vorstellung des neuesten Freundschaftsprojektes in Herrschings Partnergemeinde bei Kolkata fest. Ziel ist die Versorgung von 160 Adivasi-Familien in einem Armenviertel Chatras mit arsenfreiem sauberem Trinkwasser. adelphi research, eine gemeinnützige GmbH mit
Erfahrung bei Umweltprojekten in Indien, führt das technisch anspruchsvolle Projekt in Zusammenarbeit mit der IH durch. „Besonderen Wert legen wir auf die Partizipation von Gemeinde und Betroffenen, weil nur so ein nachhaltiger Betrieb gewährleistet wird.“, so der Berliner Projektleiter Ronjon Chakrabarti.


Herbstinfo 2016

Gemeinsam schaffen wir es: fantasievolle Spendenaktionen für Chatra

20.802,04 Euro sind bisher für unser Chatra-Freundschafts-Projekt eingegangen, davon 13.565,80 Euro durch Aktionen von Schüler* innen, unterstützt durch Lehrkräfte und Elternschaft: Spendenläufe der Montessorischule Inning und der Christian-Morgenstern-Volksschule Herrsching, Erlös des mehrtägigen Catering der Indiengruppe Vikas bei den Sommerveranstaltungen am Christoph-Probst-Gymnasium Gilching, und ein Flohmarkt „Kinder für Kinder“ der CMVS. Danke für Euren großartigen Einsatz! Wir danken außerdem einigen großzügigen Spender*innen, Ricardo Volkert und seinen wundervollen Tänzerinnen, deren Benefizkonzert am 16. September 625 Euro erbrachte, der Imkerei Leuchtenberg für Erlös aus Honigverkauf in Höhe von 480 Euro, Elisabeth Kreuz für ihre Geburtstagsaktion (3.380 Euro) einschließlich Tagore-Lieder-Abend mit dem zufällig anwesenden indischen Wirtschaftsprüfer der IH, Sayatya Mallick (neben den Zahlen gilt seine Leidenschaft der Musik) und seiner Frau.