Aktueller Spendenaufruf

Spendenkonten der Indienhilfe:

Für Armutsbekämpfung in Indien:

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Für Bildungsarbeit in Deutschland:

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Für Dialog und Partnerschaft:

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Für alle ideellen Arbeitsbereiche
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bei der Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg
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Bitte achten Sie bei der Überweisung auf die vollständige und deutliche Angabe Ihrer Adresse.
Sie erhalten, sofern nicht anders gewünscht, automatisch zu Beginn des folgenden Jahres eine Sammelbestätigung über Ihre Spenden für das Finanzamt.


Hier unsere Projekte im Jahr 2019-20 (indisches Finanzjahr). Wenn Sie auf den Projekt-Namen klicken, erhalten Sie weitere Infos zum jeweiligen Projekt. Bitte lesen Sie auch uns übergreifendes Konzept zum Thema Kindeswohl.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Partner

Projekt

Gebiet

Betrag

Spenden-Stichwort

Adelphi gGmbH Berlin Trinkwasserprojekt in Chatra North 24 Parganas 29.000 € Trinkwasser Chatra
DMSC Aufbau von zwei Sozialzentren für Nachnis und Jhumurs

Purulia

66.000 € Kinderrechte Purulia*
Hijli Inspiration  "Grüne Kommune Chatra - Schwerpunkt Wasser" Chatra Gram Panchayat, N-24-Parganas 24.000 € Trinkwasser Chatra
KJKS Kindzentrierte Entwicklung West Midnapur 54.000 € Kinderrechte W. Midnapur
Lake Gardens Kinderkrippen für Kinder arbeitender Mütter Slums in Kalkutta

35.000 €

Kinderkrippen Kolkata

Sanchar

Gemeindenahe Rehabilitation behinderter Kinder

Howrah

31.000 €

CBR Howrah

Seva Kendra Calcutta (SKC)

Schaffung von Kommunen ohne Kinderarbeit

North 24 Parganas

45.000 €

Kinderarbeit

VERS

Fortbildung von Nachhilfelehrern auf dem Land

Projektgebiete SKC und DMSC

17.000 €

Bildung

GESAMTSUMME 323.000 €

Alle Beträge beinhalten eine Pauschale von 15 % für:

  • Projektplanung
  • Monitoring/Impact Assessment/Wirtschaftsprüfer
  • Weiterentwicklung
  • Partnertraining und Fortbildungen (Capacity Building)
  • Vernetzung der Partner-NGOs
  • Aufbereitung von Informationen für Spender und Sponsoren

* Das Projekt mit DMSC im Purulia Distrikt wird ausschließlich von RED CHAIRity finanziert. Nähre Informationen erhalten Sie unter email@indienhilfe-herrsching.de

Kurzbeschreibungen der Projekte:

Seva Kendra Calcutta (SKC) - Auswege aus der Kinderarbeit in Gobinapur

Schüler-Demo für Kinderrechte in Gobindapur (©: IH)

„Die jüngsten Kinder waren acht oder neun Jahre alt. Die Mädchen trugen bis zu zehn Ziegel auf ihren Köpfen, die Jungs hatten wenigstens Schubkarren. Eigentlich sollten sie in einer Schule sitzen, stattdessen müssen sie als Arbeitssklaven schuften, oft um die Schulden ihrer Eltern bei den Fabrikbesitzern abzuarbeiten.“ Karin Degenhart, Lehrerin am Christoph-Probst-Gymnasium Gilching, besuchte im Januar 2018 das Projekt zur Schaffung kinderarbeiterfreier Kommunen unseres Partners SKC. Die Situation im Gobindapur Gram Panchayat (GP) erschütterte die deutschen Besucher zutiefst: über 300 Kinder besuchen dort keine Schule, viele leisten in den umliegenden Ziegeleien körperliche Schwerstarbeit, die ihre Entwicklung nachhaltig schädigt.

Seit 2018 ist das Team um Koordinator Mukul Halder schwerpunktmäßig in Gobindapur aktiv. Der Arbeitsansatz ist zweigleisig: Einerseits kooperiert das Team entsprechend dem Konzept für Kinderschutz der indischen Regierung mit den örtlichen Kinderschutz-Komitees(1) und klärt z.B. darüber auf, dass Kinderarbeit illegal ist und jedes Kind ein Recht auf Bildung und die Pflicht zum Schulbesuch hat. Das Projektteam stärkt die Komitees, z.B. durch Schulungen zur Durchsetzung von Kinderrechten und Kinderschutz. Zum anderen unterstützen die Kinderrechtsarbeiter die gefährdeten Schulkinder durch gezielten Förderunterricht, um einen vorzeitigen Schulabbruch zu verhindern.

Schwieriger gestaltet sich die Motivation von bereits arbeitenden Kindern, zur Schule zurückzukehren. Hier sind oft langwierige Gespräche mit den Eltern und Arbeitgebern notwendig. Für die Kinder, die meist Angst vor der Schule haben, werden Motivations-Camps veranstaltet. Dass ihre Arbeit erfolgreich ist, sieht das SKC-Team im Tepul-Mirzapur GP, in dem in den letzten zehn Jahren die Anzahl arbeitender Kinder von über 330 auf 15 reduziert werden konnte.

Spendenstichwort: Kinderarbeit
Benötigte Summe: 45.000 Euro

(1)NGOs spielen eine Schlüsselrolle im Konzept. Details in Childline India, A Handbook for Beginners, unter dem Link https://www.childlineindia.org/pdf/Essentialsof-child-protection-Oct%2008.pdf


Lake Gardens: Planung eines neuen Standorts für Kleinkinder-Betreuung

Die Lebensbedingungen in den Slums an Kolkatas Bahngleisen zwischen Dhakuria und Lake Gardens Station sind immer noch bedrückend: dicht an dicht reihen sich Verschläge, in denen Großfamilien auf wenigen Quadratmetern leben; öffentliche Wasserzapfstellen und Toiletten teilen sich mehrere Familien. Deutlich spürt man jedoch Veränderungen: die Kinder im schulpflichtigen Alter besuchen die staatliche Schule und sind sauber gekleidet. Viele von ihnen haben eine der von uns seit 15 Jahren finanzierten Kinderkrippen unseres Partners Lake Gardens Women & Children Development Centre besucht. Dort wurden sie auf die Schule vorbereitet und ihre Mütter nahmen an Eltern-Fortbildungen z.B. über Hygiene und die Zubereitung nahrhafter gesunder Mahlzeiten,  aber auch gewaltfreie Erziehung teil. Durch die tägliche Betreuung ihrer Kleinkinder können jetzt viele Mütter ohne Ängste als Haushaltshilfen in mehreren Familien arbeiten und so ihr Einkommen verbessern. Sie haben den Wert der Kinderkrippe erkannt und die meisten sind nun bereit und in der Lage, einen Beitrag für diese Betreuung zu zahlen.

Unsere Unterstützung eines Projektes (definierte Maßnahmen in einem definierten Gebiet) soll als Katalysator wirken, bis Projekte überflüssig sind oder sich selbst tragen können. So werden wir in diesem Jahr im bisherigen Gebiet die bedürftigsten Kinder auswählen und in nur noch einer Krippe zusammenfassen. Gleichzeitig soll mit der Arbeit zugunsten von Kleinkindern und Müttern in einem anderen Gebiet begonnen werden, das derzeit untersucht wird: voraussichtlich im südlichen Kolkata bei Brace Bridge, wo überwiegend Muslime leben und Frauen in Heimarbeit für die Textilindustrie arbeiten. Unsere indischen Experten und das Team von Lake Gardens sind dabei, die dortige Situation und mögliche Maßnahmen zu analysieren. IH-Mitarbeiterin Sarah Well-Lipowski wird im Rahmen ihrer jährlichen Projektbesuche im Januar das neue Gebiet gemeinsam mit den indischen Kolleg*innen in Augenschein nehmen und bei der Ausarbeitung eines Konzepts unterstützen.

Spendenstichwort: Kinderkrippen
Benötigte Summe: 35.000 Euro


Mathe-Unterricht mit Murmeln – VERS bildet Nachhilfelehrer fort
VERS-Mitarbeiterin Renuka demonstriert einfache Methoden des Zählens (©: IH)

Wie wecke ich das Interesse am Lernen bei Kindern, für die der Schulbesuch keine Selbstverständlichkeit ist? Wie gestalte ich den Unterricht, um den besonderen Bedürfnissen von „first generation learners“ und ehemaligen Kinderarbeitern gerecht zu werden? Diese Fragen bestimmen die Trainings unseres Partners VERS für die dörflichen Nachhilfelehrer unserer Projektpartner SKC und DMSC, um die Qualität der Bildung für die am stärksten benachteiligten Kinder aus Dalit- und Adivasi-Familien sowie aus der Gruppe der Nachnis und Jhumurs zu verbessern. In praxisorientierten Seminaren lernen die Projektmitarbeiter, mit welchen Unterrichtsmethoden sie Kinder begeistern und von der Notwendigkeit des Schulbesuchs überzeugen können oder wie sie anregende, kindgerechte Unterrichtsmaterialien mit lokal vorhandenen Materialien selbst herstellen können. In Workshops für die Kinder testet VERS, in welchen Fächern sie Wissenslücken zum staatlichen Lehrplan haben, und erstellen gemeinsam mit den Nachhilfelehrern für jedes einzelne Kind einen Plan zum Aufholen des Unterrichtsstoffes.

Auch der Kinderrechts-Aktivist Basudev, verantwortlich für das Lernzentrum im Dorf Duttapara im Gobindapur GP, nimmt an den Schulungen teil. Früher wartete er im Nachhilfezentrum auf die Kinder und ärgerte sich über ihre Unzuverlässigkeit. Im Rahmen der VERS-Fortbildungen überlegt er, wie er diese Kinder zum Lernen motivieren könnte. Anstatt frustriert im Zentrum zu warten, sucht Basudev in den nächsten Wochen aktiv im Dorf nach den Kindern und stellt fest, dass sie ihre freie Zeit am liebsten mit Murmelspielen verbringen. Kurzerhand besorgt er Murmeln und setzt sie fortan im Mathe-Unterricht ein. Den Kindern macht der „Murmel-Mathe-Unterricht“ großen Spaß und sie kommen seither regelmäßig zu Basudevs Nachhilfestunden.

Spendenstichwort: Bildung
Benötigte Summe: 17.000 Euro


Marodierende Elefanten gefährden Schulbesuch - KJKS-Projekt für Kinderrechte im Jhargram-Distrikt

Schmale, rot-staubige Pfade führen durch dichten Dschungel und locker bewaldete Graslandschaften zu den Projektdörfern im Jhargram-Distrikt. Jeden Moment kann ein Elefant aus dem Unterholz brechen, eine inzwischen alltägliche Bedrohung für die Dorfbevölkerung, die ihre Häuser und Äcker immer wieder gegen Elefanten verteidigen muss. Das Schwinden ihres Lebensraums drängt die Dickhäuter auf der Suche nach Nahrung in die Dörfer. Für manchen Bewohner endet solche Auseinandersetzung tödlich, und auch die Elefanten ziehen sich oft mit Verletzungen zurück. Einige Eltern wollen ihre Kinder deshalb nicht mehr auf den gefährlichen Schulweg schicken.(1)

Die illegale Rodung großer Waldgebiete spitzt nicht nur den Konflikt zwischen Mensch und Elefant zu, sondern beraubt die hier ansässigen Adivasi(2), im Jhargram-Distrikt gut ein Drittel der Gesamtbevölkerung, auch ihrer Lebensgrundlage, sei es das Sammeln von Pflanzen und Totholz oder das Züchten von Wildseidenraupen in den Wäldern. Studien zeigen, dass Adivasi den Wald äußerst nachhaltig nutzen und die Artenvielfalt erhalten. Dennoch schränken die staatlichen Forstbehörden das Zutrittsrecht der Adivasi zu den Wäldern zunehmend ein(3), während man illegale Rodungen stillschweigend duldet.

„Child Group“ beim Bäumepflanzen während der Van Mahotsav Week(5) (©: IH)

Die Diskriminierung der Adivasi ist vielfältig. Sie gehören zu den Ärmsten Indiens, oft unterernährt, mit niedriger Alphabetisierungsrate, was sich bei den Kindern fortsetzt – auch weil die Stammesgemeinschaften eigene Sprachen haben, der Unterricht an den staatlichen Schulen aber auf Bengali stattfindet. Den Eltern fehlt das Wissen, um ihre Kinder in der Schule unterstützen zu können. Kein Wunder, dass es ihnen schwer fällt, dem Unterricht zu folgen; oft brechen sie die Schule vorzeitig ab, um zu arbeiten. Um das zu verhindern, betreibt unser Partner KJKS im Jhargram-Distrikt Lernzentren für rund 700 Schulkinder in 22 Adivasi-Dörfern. Die Kinderrechtsarbeiter, die dort Nachhilfe erteilen, sprechen die lokale Stammessprache und erleichtern den Kindern so das Lernen. Sie arbeiten mit den staatlichen Schulen und ICDS-Zentren(4) zusammen, um den Betrieb gemäß Regierungsvorgaben sicherzustellen, aber auch um die Anwesenheit der Lehrkräfte und die Ausgabe der kostenlosen Mittagsmahlzeit zu kontrollieren. Zur kindgerechten Gestaltung der Räume und Unterrichtsmaterialien erarbeiten sie mit Lehrern und Schülern farbenfrohe Schautafeln und interaktives Material, das Spaß am Lernen weckt. Bei Hausbesuchen klären sie die Eltern über die Bedeutung von Bildung auf und überlegen Schutzmaßnahmen, damit sie ihre Kinder trotz der Elefanten zur Schule schicken können. Ziel ist es, dass alle Kinder mindestens die 8. Klasse erfolgreich abschließen.

Durch die Anlage von Schulgärten als Vorbild für Küchengärten bei den Familien wird die Ernährungssituation verbessert. Das frische Gemüse macht das Schulessen abwechslungsreicher und gesünder. In den ärmsten Dörfern erhalten die Kinder zusätzlich morgens einen Energieriegel, damit sie nicht hungrig in der Schule sitzen und sich im Unterricht besser konzentrieren können. Diese  Maßnahme würden wir gerne auf ein nahrhafteres Angebot ausweiten, doch fehlt das Geld.

Die Kinderrechtsarbeiter setzen sich im Sinne einer ganzheitlichen kindzentrierten Dorfentwicklung für die Kinderrechte ein, wie Gleichberechtigung von Mädchen und Ächtung von Kinderehen, und ergreifen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung (Gründung von Selbsthilfegruppen und Gewerkschaften, Aufklärung über staatliche Förderprogramme etc.). Wieviel Überzeugungsarbeit nötig ist, um das Vertrauen in die staatlichen Einrichtungen zu stärken, zeigt das Beispiel der Familie Singh: Erst nach vielen Gesprächen waren sie bereit, ihre schwer herzkranke achtjährige Tochter Maju im weit entfernten Kalkutta operieren zu lassen und so ihr Leben zu retten.

Seit kurzem arbeitet das KJKS-Team zusätzlich in einem Fischerdorf im Ost-Midnapur-Distrikt. Die industrielle Überfischung der Meere führt zur Verarmung der hier ansässigen traditionellen Fischer. Auswirkungen des Klimawandels wie häufigere Zyklone machen ihnen zu schaffen. Sie selbst errichteten eine Hütte, die jetzt als Nachhilfezentrum dient,und sind voller Hoffnung auf ein besseres Leben zumindest für ihre Kinder. Auch in den angrenzenden Dörfern wäre großer Bedarf für weitere Zentren. Doch für eine Ausweitung des Projekts brauchen wir zusätzliche Spenden.

Spendenstichwort: Adivasi u. Fischerfamilien
Benötigte Summe: 43.000 Euro

FN 1 Conservation India, 7.10.18 Addressing the Elephant in South Bengal, by Ananda Banerjee: https://www.conservationindia.org/articles/addressing-the-elephant-in-south-bengal
FN 2 indigene Stammesgemeinschaften, s.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Adivasi
FN 3 India Today, 7.8.19 https://www.indiatoday.in/news-analysis/story/draft-indian-forest-amendment-bill-2019-arming-state-to-undermine-rights-and-wellbeing-oftribals-
1578054-2019-08-07

FN 4 Integrated Child Development Services, siehe http://icdswb.in
FN 5 Beim indischen “Fest der Bäume” im Juli werden einheimische Bäume gepflanzt, um die Artenvielfalt zu erhalten und den Gedanken des Waldschutzes in Indien zu
verbreiten. Die Setzlinge werden von der Regierung an Schulen und NGOs verteilt, die diese in öffentlichen Aktionen einpflanzen.


Sanchar- Unsere Experten für Inklusion und Behindertenarbeit

Freundschaftstag 2019 – Sujit bindet seiner Bürgermeisterin ein Rakhi-Bändchen um. (©: IH)

Sujits Mutter wollte nicht wahrhaben, dass ihr einziger Sohn taub ist. In Tempeln und Moscheen betete sie um ein Wunder. Ein Wunder geschah nicht, aber die Mitarbeiter unseres Partners Sanchar wurden 2016 auf Sujit aufmerksam. In unzähligen Beratungsgesprächen helfen sie der Familie, Sujits Taubheit zu akzeptieren und zu lernen, wie sie ihm zu einem möglichst normalen Leben verhelfen können. Auch mit den Lehrern der staatlichen Grundschule, die Sujit besucht, erarbeitet das Sanchar-Team Methoden, die ihm erlauben, dem Unterricht besser zu folgen. Heute ist Sujit ein fröhlicher neunjähriger Junge, der die indische Gebärdensprache lernt, gerne zur Schule geht und voller Begeisterung an den Kultur- und Sportveranstaltungen von Sanchar teilnimmt, die Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenbringen.

Sujit ist eines von 207 Kindern mit Behinderung, die Sanchar in fünf Kommunen des Panchla Blocks im Howrah Distrikt identifiziert hat. Bei rund 50 Kindern führt Sanchar regelmäßig Hausbesuche durch, bei denen mit den Kindern und ihren Familien therapeutisch gearbeitet wird, um die Kinder nach einem individuellen Förderplan auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten. Daneben organisiert Sanchar Infoveranstaltungen zu staatlichen und anderen Unterstützungsangeboten und hilft bei der Beantragung eines Behindertenausweises, ohne den es keine staatlichen Beihilfen und Hilfsmittel (wie Hörgeräte, Gehhilfen, Prothesen) gibt. Jede Gelegenheit wird zur Sensibilisierung von wichtigen Akteuren genutzt.

Wir wünschen uns, dass alle unsere Partner bei ihrer Arbeit Kinder mit Behinderungen besonders berücksichtigen. Sofern es unsere finanziellen Mittel erlauben, wird Sanchar ab 2020 alle Projektpartner entsprechend fortbilden.

Spendenstichwort: Behindertenarbeit
Benötigte Summe: 31.000 Euro


Neue Perspektiven für Dorftänzerinnen dank der Sozialzentren von DMSC

„Seit frühester Kindheit liebe ich das Tanzen und Singen!“, erzählt Charubala, 60, heute eine bekannte Nachni-Tänzerin aus dem Dorf Senabona. Doch ihr Lebensweg war alles andere als einfach: mit 13 Jahren wird sie das erste Mal verheiratet, an einen Mann, der sie misshandelt und nach zwei Jahren verstößt. Zurück im Elternhaus lässt ihr Vater sie zur Dorftänzerin ausbilden und übergibt sie einem Roshik (1), der die Auftritte der Tänzerinnen organisiert und für sie sorgt, aber sexuelle Dienstleistungen verlangt und das Geld kassiert. Charubala verliebt sich in einen anderen Musiker, flieht mit ihm und lebt fortan als seine Zweit-Frau, den Anfeindungen von Erst-Frau und deren Kindern ausgesetzt, und trägt durch ihre Auftritte sporadisch zum Familieneinkommen bei.

Eine positive Wende nimmt ihr Leben vor zwei Jahren, als unser Projektpartner DMSC im Dorf Senabona im Purulia Distrikt das erste Sozialzentrum als Anlaufstelle für Nachni- und Jhumur-Volkstänzerinnen eröffnet. Neben der Kinderkrippe für die Förderung der Kleinsten und dem Nachhilfeunterricht für die Schulkinder bietet DMSC dort eine Sozialberatung an und unterstützt Nachnis und Jhumurs bei der Beantragung von Regierungsprogrammen.

Auch Charubala kommt ins neue Zentrum und findet dort eine Anstellung als Kinderpflegerin. Gleichzeitig unterstützt DMSC sie, staatliche Fördergelder für den Bau eines kleinen Hauses und die von Ministerpräsidentin Mamata Banerjee initiierte monatliche Beihilfe von 1000 Rupien (ca. 13 €) zu erlangen, das anerkannte traditionelle Musikant*innen und Tänzer*innen als Träger kulturellen Erbes unterstützt.(2) Durch ihr Gehalt als Kinderpflegerin und die staatlichen Gelder leistet Charubala heute einen wesentlichen Beitrag zum Familieneinkommen, was ihre Stellung in der Familie deutlich verbessert.

Für die Förderung der inzwischen zwei Sozialzentren, in den Dörfern Senabona und Kotshila, von 1.4.2017 bis 31.3.2020 danken wir RED CHAIRity, der weltweit tätigen Hilfsorganisation der XXXLutz-Möbelhäuser, sehr herzlich – wir hätten das sonst finanziell nicht leisten können!

FN 1 weitere Informationen zu den Nachnis, den traditionellen Dorftänzerinnen, finden Sie im Sommerinfo 2016, https://indienhilfe-herrsching.de/sites/default/files/Sommerinfo%202016_web.pdf
FN 2  Förderprogramm für Vertreter verschiedener Richtungen von traditioneller Volksmusik Lok Prasar Prakalpo: https://wblpp.in/index.html


Die Bauarbeiten haben begonnen. Sauberes Trinkwasser für Adivasi-Siedlung in Herrschings Partnergemeinde Chatra in Sicht

Während des Besuchs einer kleinen Delegation aus Indien in Herrsching zum fachlichen Austausch Mitte November wurde eine Kleinkläranlage in Rott (Vilgertshofen) mit SBR-Technik (Sequentielle  Biologische Reinigung/ Sequential Batch Reaktor) besichtigt. In der Anlage wurde die derzeit dem Stand der Technik entsprechende dezentrale Reinigung von häuslichem Abwasser begutachtet und die Einbindung in den lokalen Wasserkreislauf diskutiert. Dabei war die Wasserqualitätsüberwachung vor Ort von besonderem Interesse für die indische Partnergemeinde Chatra.
Im Wasserqualitätslabor der Anlage von li. n. re. Ronjon Chakrabarti (adelphi Berlin), Bgm. Quirin Krötz, der Abwassermeister, der Betreiber der Kläranlage, Nilanjan Saha (adelphi Kolkata), Herr Weiß (Wasserwirtschaftsamt Weilheim), Herr Ashis Biswas (Staatl. Gemeinde-Ingenieur Chatra), Rusha Mitra (IH-Projektkoordination Kolkata), Franziska Kalz (Gem. Herrsching). (©: IH)

Das Trinkwasser-Projekt Chatra, das wir in Zusammenarbeit mit der adelphi gGmbH Berlin und der Gemeinde Herrsching durchführen, kommt in die entscheidende Phase: Nach Bedarfsanalyse und Machbarkeitsstudie erarbeitete das adelphi-Team die technischen Detailpläne für die MehrStufige Filtrationsanlage (MSF), die sich als nachhaltigste und lokal am besten umsetzbare Methode zur Gewinnung sauberen Trinkwassers aus Oberflächenwasser herausgestellt hatte. Während die Indienhilfe mit adelphi Vor- und Nachbereitung und die nötigen begleitenden Maßnahmen stemmt, wurde der Bau der Anlage als solcher zu einem eigenständigen gemeinschaftlichen Projekt der Partnergemeinden Herrsching und Chatra, finanziert aus Mitteln des Entwicklungsministeriums (BMZ) im Rahmen des Programms NaKoPa – Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte.

Damit engagiert sich die 11.000-Einwohner-Gemeinde Herrsching für das SDG 17 der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele) – internationale Solidarität zwischen armen und reichen Ländern, globale Partnerschaft in gegenseitigem Respekt, mit gemeinsam getragenen Werten und gebündelter Kraftanstrengung aller Beteiligten.(1)

Seit Oktober 2018 erstellte das Projekt-Team die Ausschreibungsunterlagen, wählte ein geeignetes lokales Bauunternehmen aus und einigte sich mit der Gemeinde Chatra auf ein passendes Grundstück. Dem Bau stand eigentlich nichts mehr im Wege – außer den indischen Nationalwahlen, die die Bürokratie des Landes auf Monate zum Stillstand brachten. Trotz zahlreicher Briefe, Telefonate, Vorsprachen, Projekt-Präsentationen bei den Behörden ließ die letzte notwendige schriftliche Genehmigung zur Nutzung des staatlichen Grundstücks auf sich warten. Ende August die erlösende Nachricht: Westbengalens Premierministerin (Regentin über mehr Einwohner als Deutschland sie hat) hat die Freigabe des Grundstücks für den Bau der Wasseraufbereitungsanlage unterschrieben! Nun musste noch das Ende des Monsuns abgewartet werden, bevor vor kurzem mit dem Ausheben des Teiches als erstem Schritt begonnen werden konnte. Weitere interessante Details finden Sie in der Präsentation von Ronjon Chakrabarti bei unserer Mitgliederversammlung auf unserer Website.(2)

Spendenstichwort: Trinkwasser Chatra
Benötigte Summe: 29.000 Euro

FN 1 https://www.bmz.de/rue/de/international/SDG/index.html
FN 2 https://indienhilfe-herrsching.de/sites/default/files/Dokumente/IH_MV2019_PPT_TrinkwasserChatra_RonjonChakrabarti_12.10.19.pdf


Hijli Inspiration – unser neuer Partner für die Begleitmaßnahmen im Trinkwasserprojekt Chatra

Während im Rahmen des NaKoPa-Projekts Herrsching-Chatra auf die Baugenehmigung gewartet wurde (siehe oben), arbeitete unser neuer Partner Hijli Inspiration bereits intensiv mit den 150 Familien im Ghoshpur Adivasi Para von Chatra. Hijli Inspiration hatte zum 1.10.2018 unseren damaligen Partner DRCSC abgelöst, der die Zusammenarbeit einseitig und kurzfristig aus internen Gründen zum 30.9.18 kündigte. Wir sind sehr froh, mit Hijli Inspiration schnell einen kompetenten Partner gefunden zu haben, der nicht nur die Kontinuität der Aktivitäten lückenlos gewährleisten konnte, sondern auch über weitreichende Erfahrungen im Bereich Trinkwasser & Hygiene sowie in der Zusammenarbeit mit entsprechenden Regierungsstellen verfügt.

Ein Arbeitsschwerpunkt für das Team sind Aufklärungsmaßnahmen zum Thema „sauberes Trinkwasser“. Die Adivasi-Familien verfügen über individuelle Schwengelpumpen, wobei das hochgepumpte Wasser bei den meisten nicht nur mit Arsen, sondern auch mikrobiell verseucht und gesundheitsschädlich ist.

Schüler der Ananda Niketan Schule Chatra informieren Kinder im Ghoshpur Adivasi Para über die Aktivitäten ihres Öko-Clubs (©: IH)

Die Mitarbeiter von Hijli Inspiration klären über die Zusammenhänge auf, wie wichtig sauberes und arsenfreies Trinkwasser zum Kochen und Trinken ist, und sprechen Themen wie persönliche Hygiene und gesunde ausgewogene Ernährung an. Die Familien werden bei der Anlage von chemiefreien Obst- und Gemüsegärten angeleitet und mit Saatgut unterstützt. Inspiration fördert die Gründung von Spar- und Kreditgruppen (Self Help Groups) von Frauen und organisiert Hausaufgabenbetreuung für die Kinder. Gleichzeitig bemühen sie sich um die Aktivierung der Wassernutzergruppe im Adivasi Para und des offiziellen Village Water and Sanitation Committee.

Das Projekt ist eng verknüpft mit der seit 1995 bestehenden Städte-Freundschaft, seit 2005 -Partnerschaft, Herrsching-Chatra, in deren Rahmen das Trinkwasser-Projekt initiiert wurde, und so ist die Begleitung der Partnerschaftsaktivitäten, vor allem auch der Schulpartnerschaften, eine wichtige Aufgabe für das Team.

Spendenstichwort: Nachhaltige Dorfentwicklung
Benötigte Summe: 24.000 Euro