Aktueller Spendenaufruf

Für 2026-27 (das indische Finanzjahr läuft vom 1.4. bis 31.3.) hat die Indienhilfe 4 Projekte bei 2 Partnerorganisationen bewilligt, ein weiteres Projekt mit einer neuen Partnerorganisation ist in Planung:

Spendenkonten

Bitte lesen Sie auch uns übergreifendes Konzept zum Thema Kindeswohl.

Partner Projekt Gebiet Betrag Spenden-Stichwort
KTfHD Nachhaltige Dorfentwicklung in Chatra Chatra Gram Panchayat, N-24-Parganas 54.100 € Chatra
KTfHD

Unterstützung von Kindern aus Wanderarbeiter-Familien
größtenteils finanziert durch Schöck-Familien-Stiftung gGmbH

Nayabastiya Gram Panchayat, Baduria Block & Gacha Akharpur Gram Panchayat, Basirhat-1 Block 34.100 € Wanderarbeiter
KTfHD Förderung frühkindlicher Entwicklung
Teilfinanzierung durch Dr. Birk Foundation
Nayabastiya Gram Panchayat, Baduria Block & Gacha Akharpur Gram Panchayat, Basirhat-1 Block 28.100 € frühkindliche Entwicklung
Sanchar

Gemeindenahe Rehabilitation behinderter Kinder
Teilfinanzierung der Arbeit (Sehbehinderungen/Blindheit) durch Deutsches Kathollisches Blindenwerk e.V.

Panchla Block, Howrah Distrikt 42.000 € Behindertenarbeit

in Planung:
Youthinvest Foundation

Förderung von Adivasi-Kindern und Familien Jhargram / West Midnapur Distrikt 34.500 € Adivasi

GESAMTSUMME 192.800 €

Alle Beträge beinhalten eine Pauschale von 15 % für:

  • Projektplanung
  • Monitoring/Impact Assessment/Wirtschaftsprüfer
  • Weiterentwicklung
  • Partnertraining und Fortbildungen (Capacity Building)
  • Vernetzung der Partner-NGOs

 

Aktuelle Berichte und Kurzbeschreibungen der Projekte:

Die Projekte der Indienhilfe in Westbengalen, Indien: mit wem? für wen? was und wie?
(Corinna Wallrapp, Infobrief 2-2024)

Sariful Gazi, ein neunjähriger Junge aus einem abgelegenen Dorf, Gobindapur, geht gerne zur Schule, aber immer wieder kommt er mit dem Lernstoff nicht zurecht. Sariful lebt mit seinen Eltern und einem älteren Bruder in der Grenzregion zu Bangladesch. Die Eltern haben kein eigenes Land zur Bewirt­schaftung. Sein Vater arbeitet als Gelegenheitsarbeiter auf Feldern anderer. Seine Mutter sammelt Pflanzen und Krebse im nahegelegenen Fluss, die sie auf dem Markt verkauft. Der Verdienst ist unsicher, meist reicht das Geld nicht für den Lebensunterhalt. Deshalb arbeiten die Eltern zusätzlich jedes Jahr in der Trockenzeit als Wanderarbeiter in Lehmziegel-Brennereien. Die Arbeit wird stückweise nach geformten Ziegeln bezahlt. Je mehr Hände helfen, desto mehr Ziegel können geformt werden. Deshalb müssen Sariful und sein Bruder mitwandern und mitarbeiten, auch wenn die körper­liche Arbeit mit dem schweren Lehm für die Kinder viel zu anstrengend ist und sie deshalb für zwei bis drei Monate die Schule verpassen.

Joyful learning in Gobindapur
Gobindapur: Spielerisches Lernen in den Nachhilfe-Zentren von SKC.  © IH

Sariful ist nur einer der ca. 500 Millionen Menschen, die zu den 30-40 % Armen in Indien gehören. Sariful jedoch hat das Glück, in der Region unseres Projektes „Child Labour Free Gram Panchayats“ unseres Partners Seva Kendra Calcutta (SKC) zu leben. Seit einem Jahr geht er regelmäßig in den Nachhilfeunterricht, der im Rahmen des Projekts angeboten wird, um seine Lerndefizite aufzuholen, und wo er lernt, selbstbewusst aufzutreten.

Auch sein Vater konnte vom Projekt profitieren: Durch die Vernetzung mit anderen Gemeindemitgliedern konnte er eine besser bezahlte und regelmäßige Arbeit bei lokalen Fischern finden, so dass die Familie nicht mehr zu den Ziegeleien migrieren muss. Ob Sariful später eine andere Arbeit als seine Eltern finden wird, hängt von vielen Faktoren ab. Ein guter Schulabschluss an einer weiterführenden Schule, ausrei­chende und ausgewogene Ernährung als Kind und eine starke Persönlichkeit erhöhen auf jeden Fall seine Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Armut (s. Artikel „Warum für Indien spenden?“).

joyful learning KJKS
Jhargram Distrikt: Spielerisches Lernen in den Nachhilfe-Zentren von KJKS © IH

Im Moment unterstützt die Indienhilfe sechs Projektpartner mit acht verschiedenen Projekten in abgelegenen und benachteiligten Regionen Westbengalens. Jedes Projekt ist an die jeweilige Situation vor Ort angepasst; gemeinsam ist jedoch allen das Ziel, die Situation der Kinder nachhaltig zu verbessern. Hierfür fördern wir in allen Projekten einen verbesserten Zugang zu Bildung durch motivierenden Nach­hilfeunterricht, um bei den Kindern spielerisch Freude am Lernen zu wecken und die Lerndefizite auszugleichen, die neben den familiären Faktoren oft auch mangelhaften staatli­chen Schulen geschuldet sind. Durch Hausbesuche und Gruppentreffen mit Eltern und Familien, vor allem den Müttern, verstehen die ProjektmitarbeiterInnen die Situatio­nen in den Familien besser und unterstützen sie je nach Bedarf, z.B. bei der Herstellung von Kontakten oder der Beantragung staatlicher Leistungen und Programme. Letztere vervielfachen jeden von Ihnen gespendeten Euro!1 Für Schwangere und Kinder bis zu 6 Jahren steht die Motivation zur Nutzung der staatlichen Integrated Child Development Services (ICDS) – Mutter-und-Kind-Zentren – im Mittelpunkt: Schwangeren­betreuung, tägliche Mahlzeit für die Kleinkinder, Impfungen, Gesundheits-Checks, ggf.  Arzt-Überweisung, nonformale Vorschulbildung, Verhütungsberatung etc. Das Projektteam klärt bei Elterntreffen über ausgewogene Ernährung, Gesund­heitsvorsorge, Hygiene und Kinderschutz, gewaltfreien Umgang in der Familie auf, stärkt die Frauen. Kontaktherstel­lung zu Schulen, Ämtern, Gemeindeverwaltungen, Behörden und Institutionen soll die Situation der Kinder positiv verän­dern, u.a. auch durch Aufzeigen von Mängeln oder Miss­ständen in staatlichen Einrichtungen. Ein zentraler Aspekt ist die Förderung von Selbstorganisation in den Kommunen: die Menschen befähigen, selbst und gemeinsam ihre Probleme anzugehen, ihre Rechte durchzusetzen (Hilfe zur Selbsthilfe).2

Sariful und seine Familie stehen beispielhaft für unsere Ziel­gruppen in den Projekten: sozio-ökonomisch und kulturell benachteiligte Familien, die in prekären Lebensverhältnissen leben und kaum Möglichkeiten haben, ihre Situation aus eige­ner Kraft langfristig zu verbessern und ihre Kinder aus der Armutsfalle zu befreien. Noch viele andere Kinder sind auf Hilfe angewiesen. Ihre Spende hilft, dass wir noch mehr Kinder und deren Familien mit unseren Projekten erreichen.


FN 1: Infobrief 3/2022, S.4-5: „Wie unsere Projektpartner die Nutzung staatlicher indischer Hilfsprogramme befördern: Beispiel SANCHAR und unser Projekt für Kinder mit Behinderungen“, https://indienhilfe-herrsching.de/sites/default/files/Dokumente/Infobriefe/Indienhilfe-Weihnachtsinfo-2022.pdf
FN 2: Artikel zu den einzelnen Projekten finden Sie auf unserer Homepage unter https://indienhilfe-herrsching.de/Projekte-Indien
 

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Leave no one behind! Inklusion von Menschen mit Behinderung stärken –
Sanchar ist Partner der Indienhilfe beim neuen Programm „Moving Ahead“

(Corinna Wallrapp, Weihnachtsinfo 2023)

Mit verbundenen Augen steht Mitra M., Mitarbeiterin unseres Partners Hijli Inspiration, vor einem Tablett mit gefüllten Teetassen, zögerlich streckt sie ihre Hand Richtung Tasse. Ihre Aufgabe klingt einfach: Verteile die Teetassen an die anderen Personen im Raum! Doch wie viele Personen sind es? Wo stehen sie? Sind die Tassen sehr voll? Wie soll ich sie verteilen, ohne etwas auszuschütten? Mitra nimmt an einer Schulung unseres Projektpartners Sanchar teil und soll erfahren, wie sich das Leben für blinde Menschen anfühlt.

Im April 2023 konnten wir mit Moving Ahead ein wichtiges neues Programm mit unserer auf Inklusion  spezialisierten Partnerorganisation Sanchar (s. Kasten) starten. Ermöglicht wird das von der Schöck-Familien-Stiftung gGmbH, die für zwei Jahre die Finanzierung bewilligt hat. In diesen zwei Jahren trainiert Sanchar vier unserer Partnerorganisationen1 und unterstützt sie dabei, Maßnahmen zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in ihre Projektarbeit und ihre Organisationsstruktur zu integrieren.

Seit fast zwei Jahrzehnten finanziert die Indienhilfe gemeindebasierte Behindertenarbeit. Im Coronajahr 2020 nahmen die Indienhilfe-Teams Herrsching und Kolkata und alle Projektpartner an einer viertägigen Online-Fortbildung zu Inklusivem Projektmanagement durch eine Trainerin der Christoffel-Blindenmission2 teil. Seither verfolgen wir das Ziel, Inklusion – nicht nur von Kindern – als Querschnittsaufgabe in allen Projekten und mit allen Partnern aufzugreifen.

Behinderung ist nach wie vor ein schambehaftetes Tabu. Menschen mit Behinderung werden von ihren Familien oft in den eigenen vier Wänden isoliert und von der Außenwelt abgeschottet. Armut und Behinderung bedingen sich oft gegenseitig: Menschen, die in Armut leben, sind einem höheren Risiko ausgesetzt, eine Behinderung zu haben, und diese macht es wiederum sehr schwierig, der Armut zu entfliehen. Bestehende Angebote für Menschen mit Behinderung sind eher in den großen Städten zu finden und für SlumbewohnerInnen und ländliche Bevölkerungsschichten in prekären Verhältnissen mit geringer Bildung schwer zugänglich. Kinder wie Erwachsene mit Behinderungen sind vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben weitgehend ausgegrenzt und vermehrt von Diskriminierung und (auch sexueller) Gewalt betroffen. Zugleich kennen viele Menschen mit Behinderung ihre Rechte und Ansprüche nicht bzw. sind nicht in der Lage, diese einzufordern. Mit Sanchar hat die Indienhilfe einen idealen Partner, um Inklusion in den Partnerorganisationen und unseren Projekten voranzutreiben.

Seit April diesen Jahres wurde im Projekt Moving Ahead bereits einiges umgesetzt: erste Vor-Ort-Besuche und Bedarfsanalysen in den vier Projektgebieten durch Sanchars ExpertInnen, kombiniert mit ersten Trainings für MitarbeiterInnen, schärften deren Wahrnehmung von Menschen mit Einschränkungen. In allen Projektgebieten gibt es Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und speziellen Bedürfnissen, die bisher nicht systematisch erfasst und angemessen gefördert werden konnten. Hier ist die Sensibilisierung der MitarbeiterInnen ebenso gefragt wie das Wissen über vorhandene Unterstützungsprogramme und Institutionen für die medizinische und therapeutische Versorgung der Kinder. Aufklärung zu Rechten und Umgang mit Stigmatisierung in Familie und Gesellschaft werden in den nächsten Wochen in intensiven Trainings von Sanchar aufgegriffen.

Sanchar Sign Language Class
Sanchar-Mitarbeiterin Priyanka G., selbst gehörlos, unterrichtet ganz selbstverständlich KollegInnen in Gehörlosen-Sprache. Für sie ist ihr Nicht-Hören-Können einfach eine „Eigenschaft“. © IH

Als nächster Schritt ist die grundsätzliche Einbeziehung von Inklusion in die Maßnahmenplanung bei allen beteiligten Projekten zentral für das Moving-Ahead-Konzept. Für das indische Finanzjahr 2024-25 sollen alle beteiligten Partner projektspezifische Maßnahmen zur Förderung von Inklusion identifizieren, z.B. Kampagnen in den Familien und Gemeinden, Unterstützung bei der Beantragung von Behindertenausweisen und staatlichen Förderungen (z.B. für Rollstühle, Prothesen, Brillen etc.) oder Bereitstellung von Informationen zu therapeutischen Angeboten. In den Projekt Lernzentren soll der Blick für Kinder mit Auffälligkeiten geschärft werden, um ihnen individuelle Unterstützung anbieten zu können. Aber nicht nur die Indienhilfe-finanzierten Projekte und deren Zielgruppen sollen von Moving Ahead profitieren – ein Umdenken innerhalb der gesamten Organisation und – noch viel wichtiger – ein Umdenken in der umgebenden Gesellschaft sollen angestoßen werden, um dem Ziel „Leave no one behind!“ näher zu kommen.

Wir danken der Schöck-Familien-Stiftung sehr, die im Rahmen von Moving Ahead die Trainings und die Beratung bei der Entwicklung jeweils eigener Lösungen für zunächst zwei Jahre finanziert. Für die personalintensiven Maßnahmen zur verbesserten Inklusion von Menschen mit Behinderungen in allen Projektgebieten sind wir jedoch weiterhin dringend auf Spenden angewiesen, insbesondere für erforderliche zusätzliche MitarbeiterInnen!

Projektkosten „Community Based Rehabilitation“ 2023/24: etwa 30.000 €
Stichwort: Behindertenarbeit/Inklusion

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FN 1: Hijli Inspiration, Kajla Jana Kalyan Samity (KJKS), Lake Gardens Women & Children Development Centre, Seva Kendra Calcutta (SKC)
FN 2: CBM, Bensheim, mehr zum Thema unter https://www.cbm.de/informieren/armut-und-behinderung.html


Sanchar – unsere Experten für Inklusion

Junge engagierte SonderpädagogInnen um den leider bereits verstorbenen Gautam Chaudhury gründeten 1990 in Kolkata den Verein Sanchar, heute geführt von Tulika Das, Mitstreiterin der ersten Stunde. Sanchar setzt sich für Rechte und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen insbesondere in Slums und ländlichen Gebieten im Sinne der SDGs ein (UN-Nachhaltigkeitsziel SDG 10/“Leave No One Behind“ – s. https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/weniger-ungleichheiten-1592836) und hat sich zum Ziel gesetzt, zu einer Veränderung der sozial-gesellschaftlichen Strukturen beizutragen, damit Menschen mit Behinderungen respektiert und in allen Lebensbereichen gleichberechtigt einbezogen werden. Der in vielen Ländern der Welt etablierte Ansatz nennt sich „Gemeindenahe inklusive Entwicklung“ (Community Based Inclusive Development). Neben medizinischen Aspekten und Zugang zu Hilfsmitteln geht es dabei um Stärkung des familiären Umfelds, Bildung, Förderung der Existenzsicherung und einen allgemeinen sozial-gesellschaftlichen Wandel: Das Thema Behinderung soll nicht aus dem Alltag verbannt, sondern in Familie und Gesellschaft integriert werden. Sanchar bietet Organisationen in ganz Indien Beratung und Trainings an und setzt selbst Inklusions-Programme um. Seit 2016 arbeitet die Indienhilfe im Howrah-Distrikt mit Sanchar zusammen, mit Schwerpunkt auf Kindern mit Behinderung aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen, teil finanziert seit 2019 durch das Deutsche Katholische Blindenwerk, DKBW. Mehr zum Projekt unter hier. Dabei lebt Sanchar Inklusion in der eigenen Organisation vor: Die gehörlose Priyanka G. und der blinde Raman K. sind gleichwertige Mitarbeitende im Projekt-Team, bei Besprechungen ist es selbstverständlich, dass mit Gebärdensprache übersetzt wird,bzw. Präsentationen vorgelesen werden. So sieht gelebte Inklusion aus! (s.a. https://Sanchar-india.in/programme-unit-community-based-inclusive-development/)

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Info-Kasten Sanchar als pdf-Datei

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Wissenschaftlich bestätigt: Trinkwasseraufbereitungsanlage in Chatra entfernt alle Schadstoffe
(Corinna Wallrapp, Weihnachtsinfo 2023)

Nach Fertigstellung der Trinkwasseraufbereitungsanlage in Chatra, Herrschings Partnergemeinde, im Juli 2022 und mehr monatigem erfolgreichem Testbetrieb versorgt sie seit 6. Februar 2023 offiziell die Familien im Ortsteil Rasui mit sauberem Trinkwasser. Die ein Jahr lang regelmäßig entnommenen Wasserproben des aufbereiteten Wassers hielten die indischen wie internationalen Trinkwassernormen ein. Das Wasser für die Anlage wird dem nahegelegenen Fluss Padma entnommen, in einem Teich vorgeklärt und dann über ein mehrstufiges Filtrationssystem von Schadstoffen gereinigt. Die Filter bestehen aus effektiv aufeinander abgestimmten natürlichen Materialien wie Kies, Sand und Kohle, sowie Belüftungskaskade und anschließender Chlorung für die sichere Verteilung über Wasserleitungen. Ronjon Heim/adelphi research gGmbH, Berlin, unser Projektpartner, entwickelte das naturnahe Verfahren, überwachte den Bau und betreut nun die weiteren Schritte beim Betrieb mit der wissenschaftlichen Unterstützung der School of Water Resources Engineering der Jadavpur Universität in Kolkata. Das indische Department of Science and Technology finanzierte hier ein Labormodell der Filteranlage im Rahmen eines Forschungsprojektes. Vier Master-Arbeiten entstanden unter Leitung von Nilanjan Saha, Doktorand der Universität und Mitarbeiter von adelphi, und Professor Dr. Asis Mazumdar und Dr. Gourab Banerjee. Mit Hilfe von Versuchen und dem Vergleich detaillierter Laboranalysen von Wasserproben vom Fluss und vom aufbereiteten Wasser im Jahreslauf trugen sie zur Optimierung der Aufbereitung bei. Sie verglichen deren Qualitätsparameter, u.a. Sauerstoffgehalt, Trübung, Konzentration von Nitrat, Phosphat und siebzehn im Einzugsbereich häufig angewendeten Pestiziden, um die effizienteste Operation der Filteranlage zu bestimmen. Über das Jahr variiert die Wasserqualität des Flusses sehr, abhängig vor allem von den landwirtschaftlichen Aktivitäten auf den umliegenden Feldern und Monsunphänomenen, zu denen neben Überflutung auch die Verarbeitung von Jute im Fluss gehört. Obwohl teilweise sehr hohe Schadstoffwerte weit über den Trinkwassernormen im Flusswasser festgestellt wurden, konnte die Anlage all diese Stoffe das ganze Jahr über weit unter die Grenzwerte entfernen.

Eco-Club-Schulgruppen besuchen die Anlage und schauen sich das Aufbereitungsverfahren an.
Eco-Club-Schulgruppen besuchen die Anlage und schauen sich das Aufbereitungsverfahren an. © IH

Die Trinkwasseranlage in Chatra zeigt, dass es möglich ist, auch stark verschmutztes Oberflächenwasser durch ein natülich-biologisches Verfahren effektiv zu filtern und zu sauberem Trinkwasser aufzubereiten. Bei weltweit absinkenden Grundwasserspiegeln, hoher Wasserverschmutzung und Wasserverknappung sind dies wichtige Ergebnisse, die nicht nur für Indien, sondern auch für andere Länder bedeutsam werden.
Der Betrieb der Anlage ist seit Oktober 2023 in der Hand der Gemeinde Chatra unter Einbindung der lokalen Bevölkerung. Dennoch werden aktuell noch dringend Spenden benötigt, um die nächsten Schritte durchführen zu können: Schutz des Teiches vor Fluten durch erhöhte und durch Bepflanzung gefestigte Seitenwände, solar betriebener Entnahmefilter für die Vorreinigung und Befüllung des Teiches mit Flusswasser, Anschaffung einer Elektrorikscha zur Verteilung des Wassers in Kanistern, solange das Leitungsnetz nicht weiter ausgebaut werden kann, und als längerfristige Aufgabe Maßnahmen zur Verringerung des Eintrags an Verschmutzungen im Einzugsgebiet.

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